Für immer Leidenschaft

Erica Jong schreibt in „Keine Angst vor Fünfzig“ „Leidenschaft darf nicht vom gewöhnlichen Leben berührt werden, wenn sie Leidenschaft bleiben soll. Sex hat Geheimnis, Magie, einen Hauch von Verbotenem. Der Feind sind Nettigkeit, Manieren, der Versuch gut zu sein.“

In der Verliebtheitsphase kommt man üblicherweise nicht aus dem Bett, hat daneben Sex an den ungewöhnlichsten Orten und immer Lust aufeinander. So habe ich das bereits mehrfach erlebt.

Wenn wir uns auch sonst gut verstanden haben und es einfach passte, sind wir nach einer Weile zusammengezogen. Ganz einfach, weil wir ständig Sehnsucht nacheinander hatten und uns vorgestellt haben, dass es noch schöner wird, wenn wir zusammenleben.

In meiner Ehe hatten wir unser gemeinsames Projekt, wir hatten einen Laden aufgemacht. Wir hatten ganz klein angefangen und unser Baby (der Laden) wuchs und gedieh prächtig. Das Geschäft aufzubauen hat richtig Spaß gemacht. Das hat uns verbunden, unsere Beziehung gefestigt, doch die Leidenschaft verschwand. Irgendwann war es nur noch Geschwisterliebe.

Als mir bewusst wurde, dass das, was am Anfang die Anziehung ausgemacht hat, auf der Strecke geblieben war, habe ich versucht daran zu arbeiten. Natürlich habe ich versucht, mit Tony darüber zu reden. Doch das war nicht möglich, denn Tony ist generell kein Typ, der über Probleme reden mag und andererseits hatte ich auch den Eindruck, dass er das Problem gar nicht richtig sah.

Wir hatten es richtig nett miteinander. Eine schöne Wohnung, viel, zu viel gemeinsame Zeit. Wir machten es uns einfach schön, taten in der Freizeit das, was Paare üblicherweise miteinander tun. Wir kochten mit- und füreinander, machten zusammen Sport und Ausflüge. Doch es fehlte die Fremdheit, das Ungewisse, was die Sache interessant macht. Wir kannten uns einfach zu gut und waren zu nett zueinander, dadurch wurde es langweilig. Gemeinsame Langeweile ist auch ein Feind der Leidenschaft.

Ich hatte mir ein paar Bücher von Anne West gekauft, versuchte mich etwas zurückzuziehen, nicht mehr so offen Tony gegenüber zu sein und damit sein Interesse wieder zu wecken.

Gerade gemeinsame Schlafzimmer sind tödlich für die Erotik, hatte ich festgestellt. Dieses gemeinsame Schlafengehen und der damit verbundene Sex nach Terminkalender lassen die Leidenschaft einschlafen. Oft ist es so, dann zumindest einem Partner in dem Moment gar nicht nach Sex ist. Vielleicht weil er müde ist oder noch andere Sachen im Kopf hat. Wenn man getrennte Schlafzimmer hat, muss man bewusster entscheiden, ob man Sex haben will und kann sich dann darum kümmern, den anderen zu verführen.

Außerdem sollte Schlaf der Erholung dienen und die fällt aus, wenn es der andere von Temperatur und Frischluft ganz anders mag als man selbst. Oder wenn er unruhig oder gar lautstark schläft. Als wir es uns leisten konnten, zogen wir in eine größere Wohnung mit zwei Schlafzimmern. Das führte dann zwar zu mehr Erholung aber leider nicht zu mehr Sex. Tony ließ sich zwar ab und zu verführen, doch von sich aus blieb er weiter träge und uninteressiert. Irgendwann stellte ich dann auch meine Aktivitäten ein. Es war zu spät.

Eine Ehe, die auf Geschwisterliebe beruht, wollte ich nicht. Ich wollte weiter Liebe, Lust und Leidenschaft. So habe ich dann nach langem Überlegen zu Tony gesagt „Ich denke wir sollten uns trennen.“. Seine Antwort darauf war „Das ist eine gute Idee.“. Ich war froh, dass es so einfach ging, aber irgendwie war ich auch entsetzt.

Wir hätten die Beziehung ganz anders anfangen bzw. nach der ersten Verliebtheit anders fortsetzen müssen, vielleicht wären wir dann noch zusammen. Wir waren happy, dass alles so harmonisch lief, dass wir uns prima ergänzten und so viele gemeinsame Interessen hatten. Wir kamen nicht auf die Idee, dass wir mit unserer ständigen Zusammensein und der absoluten Vertrautheit die Leidenschaft vertreiben würden.

Mit dieser Erfahrung habe ich versucht, es die nächsten Male besser zu machen. Aber zu einer Beziehung gehören ja immer zwei…

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