Kleene, Süße oder gnädige Frau?

Letzte Woche, auch morgens schon ein heißer Sommertag! Ich musste einen Blumenstrauß besorgen, weil eine Kollegin Geburtstag hatte.

Auf dem Weg ins Büro liegt dieser nette kleine Blumenladen, nicht so übertrieben teuer, wie in Kudamm-Nähe, hat aber trotzdem kreative und schöne Sträuße. Ich war schon ein paarmal dagewesen und es hatte mich immer ein Mädel bedient, vielleicht die Azubine.

Heute war es anders, anscheinend stand der Chef persönlich hinterm Tresen.

Der Laden hatte gerade erst geöffnet, es war noch nichts los und so hatte ich einfach mein Fahrrad in den Laden geschoben, statt es draußen anzuschließen. Ich war zwar ein wenig unsicher, ob das so gut ankommen würde, doch frech kommt weiter. Der Chef begrüßte mich fröhlich mit „Na Kleene, was kann ich für dich tun?“, da kam ein wenig der Berliner durch. „Kleene“ war schon okay, er war fast nen Kopf größer als ich, Duzen ist zwar etwas unüblich, doch warum nicht?!

Ich fragte ihn nach einem schon fertig gebundenen Strauß, denn wie immer hatte ich es eilig. Doch so früh am Morgen, sah es schlecht aus damit. Ich beschrieb ihm meine Kollegin, die den Geburtstagsstrauß bekommen sollte, und sagte ihm, dass ich 15 bis 20 Euro ausgeben wolle. Er zeigte mir ein paar Blumen und erklärte, wie er das arrangieren könne, ja, das war eine gute Idee.

Während er den Blumenstrauß zusammenstellte, betrachtete ich ihn etwas genauer. Der Kerl musste auch so um die Fünfzig sein, wie ich. Er sah nicht schlecht aus, recht braungebrannt, schlank, tendenziell eher stämmig, kaum Bauchansatz, noch volles kurzgeschnittenes Haar. Also eigentlich sah er – wenn man vergleicht, was sonst so rumläuft – sogar richtig gut aus.

Der Strauß war schön geworden, gefiel mir. Ich ließ ihn nicht einpacken, legte ihn einfach in meinen Fahrradkorb. Nachdem der Chef kassiert hatte blieb sein Blick an meinem Fahrrad hängen. Na, würde er jetzt doch noch beanstanden, dass ich es einfach mit in seinen Laden genommen hatte? Aber er sagte „Die Kette braucht dringend Öl.“

Ich musste lachen, damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. „Ja, ich weiß, aber mein Fahrrad-Öl ist an meinem Zweitwohnsitz, ich muss mir hier nochmal welches besorgen.“

„Warte mal, Süße!“ sagte er mit einem kurzen aber intensiven Blick in meine Augen und verschwand mal eben nach hinten. Wie jetzt „Süße“?! Also eigentlich bin ich doch langsam aus dem Alter raus, mit „Süße“ oder „Kleene“ angeredet zu werden, und dann noch von einem fremden Kerl. Okay, die „gnädige Frau“ muss es jetzt ja auch nicht unbedingt sein. Aber es geht schon runter wie Öl, so angeredet zu werden.

Vielleicht lag es auch ein wenig an meinem Outfit, meiner Erscheinung. Ich war schön sonnengebräunt, trug ein buntes ärmelloses Sommerkleid zu nackten Beinen und Sandaletten mit kleinem Absatz. Der Ausschnitt war eigentlich etwas zu heftig fürs Büro, manchmal blitzte mein roter BH etwas hervor (aber meine Kollegen haben nichts gegen solche Outfits, grins). Meine blonden langen Locken trug ich offen, die Sonnenbrille hatte ich mir ins Haar geschoben. Außerdem war ich echt guter Laune, ich hatte schon ein kleines Workout hinter mir und freute mich über diesen schönen Sommertag.

Er kam zurück, in der Hand eine Spraydose mit Fahrrad-Öl. Er sah allerdings etwas besorgt aus und schüttelte die Dose. „Schiet, die ist wohl leer. Tja, da kann ich dir jetzt nicht helfen. Aber du musst dringend was tun, die Kette kann sonst reißen.“

„Ja ich weiß, werde mir hier neues Öl besorgen. Vielen Dank aber trotzdem.“ Ich lachte ihn an „Das war sehr nett von dir!“

Ich wendete mein Fahrrad, machte mich auf den Weg zum Ausgang, verabschiedete mich mit „Einen schönen Sommertag noch und guten Umsatz.“

Gerade in dem Moment kam eine neue Kundin in den Laden, vielleicht hätte er sonst ja noch mehr gesagt, als „Tschüss, Süße, lass dich mal wieder sehen.“

Mit einem dicken Grinsen im Gesicht radelte ich dann ins Büro.

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