Unter Beobachtung

Ich fühlte mich ganz schön beobachtet, in diesen zwei Wochen Urlaub mit meiner Ma.

Meine Ma guckte ständig, was ich so mache, fragte mich „Wonach suchst du?“ wenn ich mal wieder in meiner Reisetasche kramte. Mir war schon klar, dass es nicht ihren Vorstellungen entsprach, die Reisetasche nicht komplett auszupacken. Wir hatten allerdings auch nicht genug Platz im Schrank für unsere ganzen Sachen, so ließ ich Dessous und anderen Kleinkram in meiner Reisetasche.

Sie sah mir zu, wie ich meine Wimpern tuschte oder mir die Beine enthaarte. Letzteres war anscheinend etwas ungewöhnliches für sie. Ich fragte, wie sie das denn machen würde. Sie hätte schon immer kaum Körperbehaarung, deshalb sei das gar nicht notwendig, sagte sie. Ich musste lachen „Ach deshalb hab ich das damals von dir nicht beigebracht bekommen. Ich bin erst darauf gekommen, als mich meine erste Freundin darauf angesprochen hat, nachdem ich nach Berlin gezogen war.“

Sie war neugierig, was ich mit meinem Smartphone machte, sicherlich nicht nur, weil sie nur ein normales Handy hat. Sie fragte, was ich denn jeden Tag in meinem Kalender (ein Moleskine mit einer Seite je Tag) schreiben würde.

Ja, verdammt neugierig war sie. Aber ich verstand sie irgendwie, sie hatte noch nie ein paar Tage oder mehr allein mit einer Freundin verbracht. Sie war mit 18 mit meinem Vater zusammengekommen und mit 19 Mutter geworden. Eine richtige beste Freundin hatte seit der Zeit nie, immer nur die üblichen gemeinsamen Kontakte.

Doch wenn ich meine Kladde am Strand in der Hand hatte und am Schreiben war, dann fragte sie nicht. Ich denke, sie vermutet, dass ich auch über sie schreibe. Und da will sie vielleicht nicht unbedingt wissen was.

Ich hatte ihr erklärt, was ein Blog ist und dass ich dafür schreibe. Meine Ma hat keinen Internet-Zugang auf ihrem Notebook und weiß auch nicht wirklich, was das Internet alles kann. Mein Vater will das nicht. Ihm ist das zu gefährlich und sie muss sich fügen, auch wenn sie gerne Internet hätte.

Ich hatte ihr ein paar Seiten aus meinem Blog zum Thema „Keine Angst vor Fünfzig“ und „Männer sind anders“ gezeigt und vorgelesen, damit sie eine Vorstellung davon bekommt, was ich so schreibe. Dass ich auch über unseren Urlaub bzw. über unser Verhältnis schreibe, das hatte ich ihr allerdings nicht gesagt. Ich wollte nicht alles erzählen und erklären müssen.

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