… und dann traf ich ihn doch.

(Fortsetzung zum Eintrag vom 11.07. „… und er meldet sich schon wieder!“)

Ich wollte gerade im Office Schluss machen und heim radeln, da rief Maja an. Ihr Freund hätte sich im Termin vertan und sie eben gerade informiert, dass der Grillabend bei seinem Chef nicht morgen sondern heute sei. Maja war etwas verärgert, denn Ily ist häufiger etwas chaotisch mit Terminen. Manchmal macht sie dann doch ihr geplantes Ding, auch wenn es Ily dann nicht passt. Doch zu einem Grillabend beim Chef, da muss sie mit. Also musste sie unseren gemeinsamen Abend absagen. Schade.

Was nun? Alleine zum Tanzkurs gehen wollte ich auch nicht, außerdem war es verdammt heiß. Meine anderen Freundinnen waren fast alle verreist und alleine auf dem Balkon chillen wollte ich auch nicht wirklich. Also schickte ich Hans eine Nachricht „Kein Swing heute, Maja und Henrik müssen auf nen Grillabend zum Chef. Lust auf nen Drink am Winterfeldtplatz?“

Hans war anscheinend grade noch auf dem Weg zu seinem Yoga-Kurs: „Na, da hab ich aber Glück. Sollen wir uns um 21:30 Uhr Ecke Nollendorfstraße treffen?“

„Ja passt.“ antwortete ich.

Tja, wenn Hans mich schon im Büro-Outfit (knielanger Sommerrock, moderat hohe Sandaletten, figurnahes etwas ausgeschnitteneres T-Shirt) sexy fand, dann wollte ich ihm nun mal zeigen, was wirklich sexy ist, wenn auch immer noch etwas mädchenhaft verspielt, so wie ich eben bin.

Die Röcke von minirox.at sind schon verdammt kurz, aber völlig ungezwungen zu tragen, da eine Shorts integriert ist. Ich hab mehrere davon, wählte den blau-gelben, dazu Canvas-Sommerstiefel mit Blumenmuster, die genau auf der richtigen Höhe der Wade enden, um die Beine besonders in Szene zu setzen. Von Samos hatte ich mir ein witziges blaues Oberteil mitgebraucht, ärmellos figurnah, mit U-Boot-Ausschnitt und hinten aus Netzmaterial in Wasserfall-Optik. Die Designer hatten mitgedacht, ein breiter Stoffstreifen deckte den BH im Rücken ab, so konnte ich mich trotzdem angezogen fühlen. Mit meinen Locken musste ich nichts machen, die waren wuschelig wie immer, das kleine Make-Up (Wimperntusche, Rouge und Lippenpflegestift) war nur ein wenig aufzufrischen, dann war ich ausgehbereit.

Mit den minirox-Röcken kann man auch prima Fahrrad fahren, die sind schon genial. Als ich pünktlich um 21:30 Uhr am Winterfeldtplatz ankam, war Hans natürlich schon da (in der Hinsicht wird der sich wohl nie ändern).

Wir schlossen die Räder an und bummelten durch die Gegend, waren etwas unentschlossen. Hans schlug dann das MR. HU vor, das hätte doch eh die besten Cocktails. Wir hatten Glück und fanden einen Platz vor der Tür, weil gerade ein Pärchen gezahlt hatte. Nachdem wir bestellt hatten, fragte ich erstmal, wie lange seine Freundin noch in Urlaub sei. Sie käme morgen zurück antwortete Hans, er freue sich schon auf sie.

Hans hatte seine drei Wochen Sommerurlaub zuhause verbracht. Er sagte, er würde es mal genießen, allein zu sein. Seine beiden Söhne waren weggefahren, Finn mit seiner Mutter, der Große mit seiner Freundin. Er hatte dadurch Zeit, sich endlich mal um Haus und Garten zu kümmern. So ein Haus würde schon eine Menge Arbeit machen.

Ich musste lachen. Ja, das fand ich auch, erklärte ich, und dass ich das auch immer meinem Mann versuchen würde klarzumachen. Doch mein Mann würde das nicht so sehen, aber erwarten, dass ich ihm dabei helfen würde. Aber Gartenarbeit ist nun gar nicht mein Ding. Ich hatte schon immer gesagt, ich würde nur einen Garten haben, am besten ein Penthouse mit Dachgarten mitten in der Stadt, wenn ich mir auch den Gärtner dazu leisten könne.

Hans fragte, wo denn mein Mann wohnen würde. Nachdem ich ihm von Lauenburg erzählt hatte,  konnte ich feststellen, dass Hans mich doch ein wenig kennt. Er sagte, er könne sich mich auch gar nicht auf dem Land vorstellen, ich sei doch eine typische Großstadtpflanze. Er fragte, wie denn unsere Zukunftspläne aussehen würden, nach Lauenburg würde ich doch sicher nicht ziehen wollen. Und er wollte wissen, warum wir so plötzlich geheiratet hätten.

Auch nach zwei Jahren, fühle ich mich manchmal noch richtig verliebt. Ich denke, Hans konnte das spüren, als ich ihm erzählte, wie ich Peter wiedergefunden hatte und dass schon beim 1. Wiedersehen gleich wieder eine wahnsinnige Anziehung da gewesen ist. Da war Heiraten einfach nur konsequent.

Als ich Peter wiedergetroffen hatte, war die Sache mit Hans gerade mal ein halbes Jahr her. Hans ist mit Karla aber auch schon seit zwei Jahren zusammen und denkt darüber nach, dass sie mit ihrer Tochter bei ihm einzieht, wenn der Große auszieht. Der überlegt nämlich, mit seiner Freundin zusammenzuziehen.

Na, dann musste ich mir ja keine Gedanken machen, dass Hans mit dem Treffen vielleicht doch mehr im Sinn hatte.

Nachdem wir die Cocktails ausgetrunken hatten, bestellte Hans noch ein Bier, ich nahm ein Wasser. Wir redeten über seine Söhne, unsere Jobs, Urlaub usw., die Zeit verging schnell. Kurz nach Mitternacht machten wir uns auf den Weg zu unseren Fahrrädern.

Hans begleitete mich noch bis zu meiner Haustür. Es war ein netter Abend gewesen und ich konnte mir vorstellen, dass wir uns auch mal zu viert treffen könnten, wenn Peter dann mal wieder in Berlin ist. Das sprach ich an.

Hans hielt das für keine gute Idee. Ich war erstaunt. Er erklärte, dass es besser sei, seine Freundin würde nicht erfahren, dass wir uns getroffen haben, sie sei sehr eifersüchtig und speziell ich sei ein rotes Tuch für sie. Wir könnten uns aber mal „zufällig“ treffen, z. B. im MR. HU, da würden wir ja alle gerne hingehen. Ich könne ihm ja Bescheid sagen, wenn Peter wieder mal in der Stadt sei.

Hm, ich finde es ja auch etwas extrem, dass ich Hans jetzt dreimal in einer Woche getroffen habe. Aber das war halt einfach die Gelegenheit, seine Freundin im Urlaub und mein Mann auf Reisen. Das finde ich jetzt etwas blöd, Peter so gar nichts davon zu erzählen. Na mal sehen, vielleicht erzähle ich ihm einfach auch, dass Hans nicht will, das seine Freundin es erfährt. Aber vielleicht muss ich ja auch nichts erzählen, Peter interessiert ja oft gar nicht, was ich so mache.

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