Freie Liebe oder was war das?

Ein Mädels-Abend im November 2011. Wir trafen und bei Vanessa, einer Freundin, die ich durch den Sport kannte. Meine beste Freundin Maja war auch dabei, dann noch eine ganz alte und eine ganz neue Freundin von Vanessa. War ein bunter Altersmix: 24, 32, 33, 37 und ich mit 49.

Wir aßen einen frauentypischen Salat mit Putenbrust (süß-scharf) und leerten dabei drei Flaschen Mumm extra dry mit Aperol, den letzten halbe Flasche nahmen wir mit ins Großraumtaxi zum Club. Der Taxifahrer (smarter Türke? Mitte 30?) fand und zu giggelig und meinte „>Mädels, ich muss jetzt mal Heavy Metal anmachen<“.

Im Club dann noch eine Runde Aperol Sprizz, was für mich schon fast grenzwertig war, ich hatte zwischenzeitlich kurz das Gefühl zu schwanken. Danach gab es für mich erst einmal nur noch Wasser. Die Musik war wie immer vielseitig und so richtig zum Austoben, also waren wir auf der Tanzfläche zu finden. Sobald ich anfing zu tanzen, fühlte ich mich auch wieder richtig gut.

Der ganze Abend verlief irgendwie seltsam. Irgendwann begrüßte mich eine Frau mit Bussi-Bussi auf der Tanzfläche. Ich hatte nur Fragezeichen in den Augen, fragte woher wir uns kennen -… aus Dresden. Keine Ahnung, sie muss mich verwechselt haben, denn als ich Micha dort besucht hatte, hatten wir niemanden getroffen. Vielleicht war das auch nur ein Aufhänger für das Folgende: „>Darf ich dir ??? vorstellen“.< Den Namen hatte ich nicht mitbekommen, denn plötzlich wurde ich von Svenja umarmt, mit der ich hier auch gar nicht gerechnet hatte. Sie war ja vor zwei Jahren nach Mannheim gezogen. Wir quatschten ein bisschen über die letzten zwei Jahre bis uns die Musik wieder mit riss.

Plötzlich hatte ich Blickkontakt mit einer süßen Frau mit mittelblonden glatten längeren Haaren. Wir tanzten uns aneinander ran, schauten uns oft in die Augen und gingen, als die Musik schwofiger wurde auch auf Körperkontakt. So etwas mach ich ja schon häufiger mit guten Freundinnen, mit einer Fremden, das war neu. Zwischendurch versuchte sich ein Kerl in unseren Tanz einzumischen (ihr Ex-Freund, wie ich später erfuhr), wir hatten einfach nur Spaß, wobei wir ihn doch eher links liegen gelassen haben.

Dann kreuzte ein sehr junger süßer Typ auf. Sie sagte „>Kannst du mir einen Gefallen tun und mit ihm knutschen?“<
>„Warum?“<
>„Er ist sozusagen mein kleiner Bruder und irgendwie kriegt er immer keine Frau ab.“<
„Hey, ich hatte ja noch nicht einmal Blickkontakt mit ihm, so einfach geht das nicht.“
Damit hatte sich das Thema erst einmal erledigt und wir tanzten ausgelassen weiter. Irgendwann nahm sie ihn in den Arm, knutschte ihn kurz und reichte ihn mir dann weiter. Mmmh, war nicht schlecht, ihn zu knutschen. Er war frisch rasiert oder hatte eh kaum Bartwuchs. Danach lachten wir uns einfach an und tanzten weiter.

Sie war so sexy und das musste ich ihr dann sagen, prompte Antwort von ihr „>du aber auch“< und ein heftiges mich an sie Ziehen. Irgendwann knutschten wir dann auch, das hat sich soo gut angefühlt.

Später fragte ich sie nach ihrem Namen. Melanie fragte zurück wie ich heiße und wo ich wohne und erzählte, dass sie hier in Mitte wohnt. Sie ist in den Bezirk geraten, da sie hier als Physiotherapeutin eine Handballmannshaft betreut. Oh wie geil, eine Physiotherapeutin, die kann ich ja gerade richtig gut brauchen, mit meinem verspannten Nacken. Ich wollte ja schon immer mal einen Physiotherapeuten kennenlernen, an eine Frau hatte ich dabei aber nicht gedacht.

Chris, der junge Typ, verabschiedete sich. Zu mir sagte er >„ich geh jetzt und warte draußen noch fünf Minuten, entweder kommst du dann nach oder du hast Pech gehabt<“. Ich war sprachlos und musste das gleich Melanie erzählen. Sie riet mir, das zu machen. Ich wollte aber nicht, obwohl es mich reizte, aber ich mag eben keine One-Night-Stands und mehr Perspektive hat so eine Nacht mit einem 22Jährigen sicher nicht.

Melanie fragte, was ich denn denken würde, wie als sie sei, wo ich Chris als soo jung empfinden würde. Ich meinte, so was in den 30ern. Nein, sie ist erst 28. Ich meinte, sie solle jetzt nicht meinen, sie sähe so alt aus, es sei hier eh dunkel und die Alterseinschätzung hätte eher etwas mit der Reife zu tun, die ich ihr unterstellte. Dann fragte sie, wie alt denn ich sei. 49 hat sie wohl ziemlich umgehauen.

Gegen halb drei kam ein Kerl vorbei, der sich bislang nicht hatte blicken lassen. Er sagte zu Melanie „ich hole jetzt deine Sachen und dann gehen wir, und die nimmste aber mit“ (letzteres mit dem Blick zu mir rüber). Da geriet ich ein wenig in Panik, ich war mir überhaupt nicht im Klaren darüber, wie der Abend für mich weiter gehen sollte. Der Typ kam dann mit Melanies Jacke und Tasche zurück. Ich bekam noch einen Abschiedsknutscher und dann ist sie mit den Worten „>wir sehen uns sicher wieder hier<“ gegangen.

Irgendwie war ich ganz froh, dass ich nicht mit „musste“, dass mir die Entscheidung abgenommen worden war. Aber ihre Telefonnummer hätte ich schon gerne gehabt.

Vanessa hatte mich dann später, als wir zusammen noch einen Aperol Sprizz holen waren, dezent auf die Sache angesprochen. Aber eher nur so, dass sie mein Verhalten etwas überraschend fand. Und dann hatte ich noch eine kurze Diskussion mit ihr, warum ich denn nicht mit Chris heim gegangen bin. Sie meinte, das würde mir sicher gut tun, da ich ja nun ein halbes Jahr getrennt und ohne Kerl sei.

Ich weiß nicht genau, denke, ich war so gegen halb fünf am nächsten Morgen daheim. Hatte die Nacht noch eine ASS+C genommen und nach sechs Stunden Schlaf dann noch eine. Hatte irgendwie den Eindruck noch Restalkohol zu haben.

Dann ging’s zum Zumba, das tat richtig gut, ich hatte dann auch keinen Schädel mehr. Und in der Sauna bzw. im Ruheraum dachte ich dann über die letzte Nacht nach. Was war das für eine Community? Man flirtet heftig, knutscht hier und da durch die Gegend und soll eigentlich gemeinsam (als Gruppe, nicht nur sie und ich) noch weiter ziehen, bzw. zu jemanden heim gehen.

Hm, ich kann so gar nicht einschätzen, was das war. In dem Alter, also so Mitte 20 hatte ich auch die Vorstellung von freier Liebe und das Gefühl, mich von den gesellschaftlichen Beziehungszwängen befreien zu müssen. Aber ich war da einfach nur straight, habe einem Mann gesagt, dass ich ihn will und ihn mitgenommen, aber eben nur einem Mann, keiner Frau! Üblicherweise waren das auch keine One-Night-Stands, sondern eine Affäre für eine Weile, teils parallel zu einer anderen. Gut, bei einem One-Night-Stand blieb es halt ab und zu mal, weil es eben einfach nicht passte und das konnte ich ja vorher nicht wissen.

2 Gedanken zu „Freie Liebe oder was war das?

  1. hmmmm……………………………………………………..
    du schreibst sehr spannend. Ich mag es, wenn mich Beiträge fesseln (und sowas geschieht wirklich nur sehr, sehr, sehr selten!) – das liegt natürlich nicht nur daran, dass ich lesbisch bin!

    Ich bin kurzzeitig kopfschüttelnd dagessen, mit eine dicken Grinsen im Gesicht, weil ich nicht glauben konnte, dass sowas in einem „stinknormalen“ Club passiert (also kein Szeneclub).

    Ich muss gestehen, ich bin selten, sehr selten in Clubs unterwegs und war es bis vor einem Jahr auch noch nie! Auf hetero-Partys war ich ungefähr zwei Mal (wenn überhaupt).

    Ich komme aus München. München ist zwar nicht Köln, aber dennoch wimmelt es von Lesben und Schwulen…. allerdings ……… man sieht sie nicht. Seit meiner Geburt lebe ich hier und lernte erst Frauen kennen (lesbische, natürlich), nachdem ich auf einer Szeneparty war. Davor schloss ich Kontakte im Internet (ebendiese aus Karlsruhe, mit der ich – nur mal nebenbei erwähnt – auch eine einwöchige Affäre hatte. Und das trotz fast 20 Jahren Unterschied).
    Dass dir im Club „einfachmalso“ eine attraktive junge Frau über den Weg stolpert, das hat mich dann doch zum Staunen gebracht.

    Immerhin ist es selbst auf Lesbenpartys sehr schwer, jemanden kennen zu lernen. Zumal man eigentlich niemals eine Beziehung – was für mich damals sowieso außer Frage stand!!!! – mit einer Frau haben sollte, die in der Szene unterwegs ist (… und das ist leider sehr selten), denn diese hat mit deiner Affäre oder der Ex deiner Ex-Affäre geschlafen oder mit deiner besten Freundin oder einer Frau, die dir gut gefällt. Ja, leider. So ist das wirklich!
    Und als feminine Frau in einem lesbischen Club sinken die Chancen gleich um mehr als 50 % … ich weiß nicht, woran es liegt. Ob sie Angst haben? Sie sich nicht sicher sind, ob ich wirklich lesbisch bin oder nur eine Hete auf Kostprobe bin……

    Nun, im Endeffekt habe ich meine jetzige Partnerin (Kora) bei der U-Bahn kennengelernt. Ich weinte wegen einer, die mich wie ein Jojo behandelt hat (anziehen, wegstoßen, anziehen, wegstoßen)…
    nur zwei Tage später, als sie mich zum Vorglühen mit ihren Freundinnen einlud, stellten wir beide fest, dass Kora meine Sehnsuchtspeinigerin (Paye) sogar kannte. Paye hatte nämlich vor ein paar Jahren was mit Koras bester Freundin, Carina, die wegen Paye völlig am Ende war. Wegen Paye gab es in Carinas späteren Beziehung viele Probleme….

    Nun, hätte ich nicht meine Partnerin gefunden (mit der ich seit einem halben Jahr wirklich sehr glücklich bin!), wäre ich wohl in deine Heimatstadt gezogen…….

    Ps.: ich habe alle meine Vorsätze gebrochen: „Keine Beziehung.“ und vor allem: „Keine Beziehung mit einer Frau, die in der Szene unterwegs ist.“

    Jetzt muss ich mir neue gute Vorsätze machen… obwohl, wenn ich so darüber nachdenke…. das Leben viel spannender und lustiger ist, ohne Vorsätze! ,-)

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