Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 3 – Rückblick

Mitte November 2011 – damals … 1980 – 82

An meinem 18. Geburtstag verlor ich endlich meine Jungfräulichkeit, ich war einfach neugierig wie das ist, wenn ich keine Hemmungen mehr habe. Meine Mutter hatte dafür gesorgt, dass ich das erleben konnte und mir die Pille verschreiben lassen. Die Neugier war nun befriedigt, doch ich musste noch viel lernen. Ich hatte ja noch nicht einmal Erfahrungen mit Petting, so wie wir das damals nannten – oder bezeichnet man das heute noch so? Zum Glück hatte ich mir einen netten Jungen dafür ausgesucht, der das gemeinsam mit mir lernen wollte. Wir machten schnell gute Fortschritte und hatten bald so richtig Spaß an der Sache. Vielleicht lag es daran oder er war einfach so richtig verliebt, dass er mir Nikolaus einen Heiratsantrag machte. Das ging mir dann aber wieder zu schnell, dass ich über das nächstbeste Thema einen Streit anfing und mich von ihm trennte.

Mit 19, nach Ende meiner Ausbildung, ging ich dann nach Berlin. Ich wollte unbedingt weg aus unserem Dorf und hatte es geschafft, dort einen guten Job in meinem Ausbildungsberuf zu finden. Die ersten zwei Jahre fuhr ich noch häufig am Wochenende nach Hause, so auch ein Jahr später zu Weihnachten. Inzwischen gab es die Dorfdisko nicht mehr, dafür aber andere coolere Läden, in die man gehen konnte.

Ich denke, es war der 1. Weihnachtstag, als ich zu „ich glotz TV“ tanzte und Peter auf mich zukam. Wieder hatte ich den Eindruck, dass er sich von mir angezogen fühlte, geradezu fasziniert war. Wir rockten gemeinsam, dann gingen wir etwas trinken.

Er lud mich ein, zur Silvesterparty bei Freunden von ihm zu kommen. Ich sagte gerne zu und fand mich Silvester auf einer recht lahmen Feier wieder, wo hauptsächlich Pärchen anwesend waren.

Zu den Pärchen gehörten auch Peter und seine Freundin. Er stellte mich als alte gute Freundin vor, die nach Berlin gezogen war, und ich sagte artig „Hallo“ zu diesem zwar hübschen aber recht farblosen Mädchen. Nach einer Anstandsstunde verabschiedete ich mich, weil ich angeblich noch verabredet war. Peter brachte mich nach draußen, nahm mich stürmisch in die Arme und wir knutschten heftig, am liebsten hätte ich ihn mit in mein Auto genommen. Er sagte „schade, dass ich eine Freundin hab, ich würde lieber mit dir ins neue Jahr feiern“. Ich antworte „frohes neues Jahr“ und ging.

Im Nachbarort gab es eine Silvesterparty in einer improvisierten Disko, die Stimmung schien gut und ich mischte mich unter das Volk. Ich musste mich austoben, zu Nena und Extrabreit war das gar kein Problem, in Flirtlaune war ich auch…

Peter habe ich seitdem nicht wieder gesehen, habe aber anfangs häufiger (später seltener) an ihn gedacht und mir gesagt, dass ich für ihn jeden anderen Kerl stehen lassen würde. Es war da immer diese anscheinend gegenseitige Anziehung, aber wir waren ganz einfach total damit überfordert, dass ich das behütete Kind war, was von seiner Mutter eingeimpft bekommen hatte, dass es sich nicht ausnutzen lassen sollte. Nie war die Rede davon gewesen, dass Sex auch einer Frau Spaß machen und gut tun kann. Und in der Silvesternacht wollte er seine Freundin nicht verlassen.

Ich überlegte, ob ich heute noch jeden anderen Mann für Peter stehen lassen würde. Ich weiß es nicht, es wäre aber echt spannend ihn wieder zu treffen, so nach 29 Jahren. Vielleicht ist die Anziehung immer noch da. Aber vielleicht ist es auch nur die Sache, dass ich einfach gerne wüsste wie es ist, mit ihm zu schlafen.

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3 Gedanken zu „Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 3 – Rückblick

  1. Spannend! 29 Jahre….. so lange lebe ich noch gar nicht *g… d.h. ich kann gar nicht wissen, mir nicht einmal vorstellen, was sich in der Zeit alles verändern kann. Aber viele Menschen sagen, dass sie selbst nach 20 Jahren immer noch ein- und dieselbe Frau liebten (oder Mann), selbst, wenn sie schon verheiratet waren.
    Das finde ich wirklich, wirklich heftig.
    Ich frage mich immer wieder, ob Lejla diese Frau ist, die ich ein Leben lang lieben (oder unglaublich anziehend finden) werde….. aber das ist noch zu früh, ich kenne sie ja gerade mal vier Jahre.

    Ich mag deinen Schreibstil!

    Herzlich,
    Abeo

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    1. Tja, wir hatten uns ja nicht wegen irgendwelcher Differenzen getrennt, sondern weil die Umstände zu schwierig waren. Der 20jährige, der Lust hatte, etwas zu erleben und das behütete Mädel, das so gar nichts durfte.

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