Der passende Mann – Teil 7 – Schwarz oder weiß?

  1. Januar 2012

Muss man alles gleich schwarz oder weiß sehen oder kann man mit Nuancen leben? Muss ich gleich eine Entscheidung treffen?

Das Wochenende mit Achim war irgendwie ganz schön, allerdings nicht leidenschaftlich genug. Die fehlende Leidenschaft ist ein wichtiger Punkt, der gegen eine längerfristige (sofern man das überhaupt schon weiß) Affäre spricht. Meine Freundin Frances hatte ja prophezeit „ihr kommt eh nicht aus der Kiste“. Na, von wegen. Es war schon eher schwierig ihn da hinein zu bekommen. Ich weiß nicht, ob er da einfach nur Gentleman und deshalb zurückhaltend ist oder ob es bei ihm auch nicht so richtig gefunkt hat.

Eben habe ich mit ihm telefoniert. Er hätte gestern schon gerne ein längeres Telefonat gehabt, aber ich war abends noch bei Roland zum Arbeiten, da hatte ich keine Zeit dazu. Er hat mich gestern wie auch heute mit „Süße“ angeredet, das hatte er vor dem Wochenende nicht getan. Im Laufe des Gespräches sagte er auch, dass er mich vermisst. Ich fragte, wie sich das äußert. Ja, er hätte mich einfach jetzt gern bei sich. Darauf lachte ich und sagte zu ihm, dass mir das natürlich schmeichelt.

Achim hatte, bevor er Sonntag gefahren ist, gesagt, er müsse die Eindrücke vom Wochenende erst einmal sacken lassen. Ich hatte mir nicht groß Gedanken darüber gemacht, ob das irgendetwas zu bedeuten hat. Ich habe ihn aber vorhin danach gefragt. Er sagte, dass es ja schon viele Eindrücke waren am Wochenende und dass er mich ja nun auch näher kennengelernt hätte und dass er das wirken lassen wollte. Er fand es sehr schön und er freut sich darauf, mich bald wieder zu sehen.

Das wollte ich jetzt nicht so im Raum stehen lassen, also Flucht nach vorn. Ich bin halt nicht sicher, ob ich in gut einer Woche schon wieder ein Wochenende mit ihm verbringen will. Es war mir eben doch ein wenig viel, 48 Stunden aufeinander zu hocken. Klar war es auch schön, aber ich brauche auch meine Zeit für mich.

Ja, das könne er auch verstehen, denn meine letzte Beziehung sei ja schon etwas her und ich sei das nicht mehr gewohnt. Darauf konnte ich ihm nur sagen, dass genau das das Problem mit Roland war. Der war zu anhänglich und wollte ständig Zeit mit mir verbringen, das war mir zu viel.

Achim versuchte dann noch, mir klarzumachen, dass er mich nicht unter Druck setzen will. Ich lachte und sagte ihm, das könne er gar nicht, ich komme nur zu ihm, wenn ich das wirklich möchte.

Dass mir schon klar ist, dass ich das übernächste Wochenende nicht schon wieder 48 Stunden mit ihm haben möchte, habe ich ihm aber nicht gesagt. Man muss nicht alles gleich schwarz oder weiß sehen, dazwischen gibt es doch Nuancen und ich will ihn ja nicht gleich verschrecken. Mal wieder Zeit möchte ich schon mit ihm verbringen, mich interessiert auch wie er lebt. Aber ich werde das dann wohl mit einem Besuch bei Ina verbinden, denke davon habe ich dann mehr.

Ich bin ja schon etwas erstaunt, dass ich es ihm so angetan habe. Er hat mich nämlich gar nicht so sehr kennengelernt wie er meint. Und das lag einfach daran, dass er etwas zu wenig Interesse gezeigt hat. Klar habe ich ihm viel von meinem Berlin gezeigt. Er hat sich auch dazu geäußert, was er mag und was nicht so. Im Muntagnola fand er es prima, aber das Mr. Hu fand er zu szenig und das Café M erst recht, da wollte er auf keinen Fall rein.

Auffällig war, dass er in meiner Wohnung nicht neugierig war. Mich interessiert, was ein Mann (oder auch eine Freundin) für Bücher liest, welche Musik er hört etc. Mir würde auffallen, dass sie bestimmt 200 DVDs im Regal hat, da würde ich nachfragen, was sie so gerne guckt und warum. Sogar die Bücher auf dem Boden vorm Bett ließ er unbeachtet. Da lag natürlich immer noch „Keine Angst vor Fünfzig“ und dazu „Saftig“, erotische Kurzgeschichten mit nacktem Busen auf dem Cover. Aber vielleicht hatte er gerade auch bei den beiden Büchern Angst vor einer Antwort. Vielleicht hat er sie heimlich angeschaut, als ich im Bad war. Ich denke aber, noch nicht mal das hat er getan. Oder er hat sie wieder ganz genau so hingelegt, wie sie lagen. Er weiß immer noch nicht, wie alt ich bin, hat auch nicht nachgefragt.

Auch die Blechschilder an den Wänden fanden keine Aufmerksamkeit, selbst mein Mountainbike nicht, wo er doch auch selbst Mountainbike fährt. Seltsam.

Ich will ja keine Beziehung, aber auch bei einer Affäre verlange ich Interesse, und eben Leidenschaft!

2 Gedanken zu „Der passende Mann – Teil 7 – Schwarz oder weiß?

  1. Ja, Interesse an solchen Dingen die auf Hobbies und Interessen hinweisen finde ich schon unbedingt wichtig. Auch und gerade besonders im fruehen Stadium. Ueber sowas kann man jede Menge uebereinander erfahren. Oder er hat wirklich heimlich geguckt und wollte nicht fragen?

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    1. Er hat nicht geguckt, konnte ich später feststellen. Es liegt wohl in seiner Persönlichkeit, dass er so wenig interessiert war. Ich denke nicht, dass er sich da bei einer anderen Frau anders verhalten wird.

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