Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 8 – Das 1. Telefonat

  1. Februar 2013

Als ich Montag vom FitBo kam, war ich schon ganz aufgeregt und beeilte mich, meine nassen Klamotten aufzuhängen etc. Als ich nach dem Training im Studio auf mein Handy geschaut hatte, hatte ich eine MMS mit einem Foto von Peter. So richtig gut zu erkennen war er nicht, so mit dicker Jacke und einer Brille, in der sich das Sonnenlicht spiegelte. Seinen Mund erkannte ich wieder und seine Haare waren immer noch rot, allerdings schon etwas verblasst und mit ausgeprägten Geheimratsecken. Peter hatte die typische helle Haut der Rothaarigen, auf dem Foto teils gerötet, vielleicht von der Kälte. Ich fand schon, dass er recht alt aussah. Na, ich sollte jetzt nicht übertreiben, so alt, wie Anfang-50Jährige eben aussehen.

Nun war ich gespannt auf seine Stimme. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte. Ein Wiedererkennen war jedenfalls nicht da, als er die ersten Sätze sprach. Es war eben auch nicht mehr die Stimme eines 20Jährigen. Es war Peter anzumerken, wie er sich freute. Ich denke, er wird genauso nervös gewesen sein wie ich, vor diesem ersten Telefonat. Er kam gleich auf meine facebook-Fotos zu sprechen, er hätte mich sofort wiedererkannt, wenn er mich irgendwo getroffen hätte.

Ich überlegte, doch, ich denke, ihn hätte ich auch wiedererkannt. Sein Mund ist schon markant, und dann die roten Haare! Nur die Stimme, die wirkte so, tja, irgendwie alt. So hat er sich damals bestimmt nicht angehört, aber das ändert sich eben mit dem Alter.

Peter hatte ja nun einen deutlichen Vorsprung an Fotomaterial, auch wenn er noch nicht in die älteren Alben auf facebook vorgedrungen war.  Ich erklärte ihm, wie er die anderen Alben, z. B. auch mit Fotos aus den 80ern, findet, da das anscheinend für facebook-Novizen nicht so einfach ist. Bei der Gelegenheit fragte ich ihn dann auch nach anderen Fotos von ihm, wo er besser drauf zu erkennen sei. Er sagte, er würde zwar viel fotografieren, aber Fotos von ihm seien selten, er würde aber mal für mich schauen.

Dann fragte ich ihn quasi aus. Ich wollte alles wissen, stellte aber nicht alle Fragen. Peter erzählte auch so. Er ist momentan noch im selben Job wie damals, hatte aber vor ein paar Jahren ein Burnout und ist jetzt auch gerade arbeitsunfähig. Er ist da jetzt vorsichtiger und kümmert sich ein wenig um seinen Zweitjob auf selbständiger Basis, der ihm auch Spaß macht. Eine Tochter hat er, die ist Anfang Zwanzig und vor ein paar Jahren ausgezogen, fast zeitgleich hatte er sich von ihrer Mutter getrennt. Mit beiden versteht er sich prima und hat oft Kontakt, besonders auch mit der Mutter, da er mit ihr ständig geschäftlich zu tun hat.

Danach erzählte ich von meinem beruflichen und beziehungsmäßigen Werdegang und auch, dass ich seit ein paar Tagen erst wieder Single bin. Peter fragte nur „nach wie langer Zeit?“ und meinte, als er die zwei Monate hörte und ich dabei ganz fröhlich war „na, dann kann es ja nicht so schlimm sein“.  Ich musste lachen, ich konnte so richtig locker mit ihm reden. Ich quatschte einfach drauf los, hatte nicht das Gefühl gefallen zu müssen. Ich merkte, dass da einfach richtiges Interesse von Peters Seite da war, an allem. Er konnte zuhören und stellte eben auch Fragen. Ich erzählte ihm sogar, dass ich Krebs gehabt hatte und dass ich seitdem ziemlich genau darauf achte, Sachen zu tun, die mir gut tun.

Peter hatte durch seinen Burnout erfahren, dass er so wie bislang nicht mehr leben wollte. Die Trennung hing auch damit zusammen. Auch ihm geht es so, dass er jetzt und gut leben will. Ich stimmte ihm zu und sagte „man weiß nie wie lange das Leben noch dauert, also sollten wir jetzt leben und das was uns wichtig ist, nicht auf später verschieben“. Das hatte sich zu meinem Leitsatz entwickelt, nachdem ich dem Krebs davon gekommen bin.

Wir redeten auch über Urlaube und Lieblingsreiseziele. Die deckten sich bislang nicht, aber wir waren beide so neugierig, die Erfahrungen des anderen zu erzählt zu bekommen. Ich denke, ich kann mir jetzt auch mal Skandinavien, wie er sich die griechischen Inseln vorstellen. Und Berge, Meer und Seen mögen wir beide. Und es ist endlich mal ein Typ, der gerne und viel in den Urlaub fährt!!!

Er ist zwar mehr der Motorrad-Fahrer, aber ein bisschen Mountainbike hat er auch schon versucht. Ebenso hatte Peter schon einmal ans Klettern gedacht. Ich finde ja Motocross echt faszinierend, denke aber, dass das doch etwas heftig für mich ist. Peter fragte aber trotzdem, ob ich nicht im Sommer mit ihm auf eine Enduro-Tour in den Alpen hätte. Ganz entspannt, es gäbe sicher eine nette kleine Maschine für mich. Er hatte es schon richtig erkannt, Adrenalin kickt! Ich konnte mich aber dazu noch nicht so äußern. Fragte ihn auch noch nicht, ob er mit mir mit auf eine MTB-Freeride-Tour kommen würde. Smile.

Es war ein tolles Gespräch, irgendwie wurden wir uns immer vertrauter. Nach gut zwei Stunden mussten wir aber ein Ende finden, da es doch langsam Zeit war Schlafen zu gehen. Das Ende finden dauerte dann aber doch bestimmt 20 Minuten. Peter fragte auch, ob er mal nach Berlin kommen solle. Die Frage kam mir ein wenig zu schnell, die schwächte ich erst einmal etwas mit „wenn du grad mal geschäftlich dort zu tun hast…“ ab. Ich hatte allerdings eher den Eindruck, dass er ein Wochenende damit meinte.

Vor dem Schlafengehen schaute ich mir noch einmal Peters Foto an, leider war er immer noch nicht besser zu erkennen. Ich denke, ich bin mit einem Lächeln eingeschlafen. Vielleicht habe ich ja auch von einem Wochenende mit ihm geträumt …

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