Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 21 – Zwei Wochen sind lang

  1. März 2013

Zwei Wochen sind schon eine lange Zeit! Na ja, es waren nicht ganz zwei Wochen. Aber trotzdem Tage und Nächte voller Sehnsucht, auch wenn wir jeden Abend telefoniert hatten, oft eine Stunde.

Peter war am Montagmorgen heimgefahren und wir hatten schon ausgemacht, dass ich am Wochenende Mitte März zu ihm fahren würde. Ich freute mich darauf, ihn wiederzusehen, zu spüren, zu lieben und war auch neugierig auf sein Haus und darauf, wie er so lebt.

Am Freitagnachmittag stieg ich in die Bahn und Peter holte mich in Büchen am Bahnhof ab. Als er auf dem Bahnsteig auf mich zu kam, wirkte er erst einmal fremd, auch wenn ich ihn sofort wiedererkannte. Doch dann sah ich in seine lächelnden Augen, spürte seine Lippen auf meinen, seine Arme um meinen Körper und fühlte wieder diese innige Vertrautheit.

Der EuroCity war schon weitergefahren, alle anderen Reisenden verschwunden und wir standen immer noch knutschend oder uns aneinanderschmiegend auf dem Bahnsteig. Peter wäre wohl noch länger da stehen geblieben, wenn ich nicht gesagt hätte, dass wir doch langsam zu ihm fahren sollten, auf dem Bahnsteig sei es doch etwas zugig. Er wollte mich gar nicht loslassen. Doch Hand-in-Hand konnten wir ja auch zum Auto gehen.

Es war nicht weit nach Lauenburg bzw. zu Peters Haus, was etwas außerhalb und sehr ruhig lag. Die Sitzheizung hatte mich gerade aufgewärmt, da fuhren wir auch schon auf das Grundstück. Die Wohnküche hatte große Fenster zum Hof, sie wirkte durch den Feuerschein aus dem Kaminofen einladend und gemütlich. Peter trug mein Gepäck ins Haus, schloss die Tür hinter mir und nahm mich schon wieder in den Arm. Seine Augen strahlten.

Ich musste mich befreien, meine Nase wollte geputzt werden, leider hatte ich mir in der letzten Woche einen Schnupfen zugezogen und das waren nun die Reste davon. Peter hatte extra für mich Hühnersuppe gekocht, weil es mir ja nicht so gut ging und fragte nun, ob ich Hunger hätte. Nein, hungrig war ich noch nicht, aber von der Hühnersuppe beeindruckt. Er hatte sie aus einem frischen ganzen Huhn gemacht, wow! An so etwas hatte ich mich noch nie rangetraut.

„Möchtest du einen Rotwein oder lieber einen Tee?“ fragte Peter. Ich fand einen Rotwein schon in Ordnung, so krank war ich ja nun nicht mehr. Peter schenkte in riesige Weingläser ein. Er gab mir ein Glas, nahm seins und sagte „Jetzt zeig ich dir das Haus.“.

Das Erdgeschoss war nicht weiter spannend, die große Wohnküche nahm den größten Teil ein. Dann gingen wir nach oben. Dort gab es ein Bad – recht renovierungsbedürftig nach über zwölf Jahren, neue Fliesen hätte er schon da, sagte er – und ein großes Schlafzimmer mit Hülsta-Doppelbett, leider kalt, da die Heizung anscheinend abgedreht war. Die 3. Tür wollte er erst nicht öffnen, das ehemalige Zimmer seiner Tochter, inzwischen großzügige Abstellkammer, fand er nicht wichtig. Hm, bislang war die Küche noch am gemütlichsten.

Dann ging es ins Dachgeschoss. Ein großzügiger Raum mit schrägen Wänden, auch wieder mit Kaminofen und einer sehr angenehmen Wärme. Peter nahm mir mein Glas ab und mich wieder in seine Arme. Nach einem langen Kuss setzten wir uns aufs Sofa. Mein Blick schweifte durch den Raum, die Leiter nach oben war nicht zu übersehen. Es gab noch eine offene Halbetage. „Was ist da oben?“ fragte ich. Peter grinste „Schau doch nach.“ Ich guckte ihm in die Augen, musste ihn einfach noch einmal küssen, doch dann war ich neugierig.

Ich stieg die Leiter hinauf, schaute über den Rand der Plattform „Oh, ein Hochbett, wie cool! Ich wollte schon immer eins haben!“. Peter stand unten an der Leiter, sagte „Möchtest du nicht mal probeliegen?“. Ich drehte mich halb um, erkannte sein schelmisches Grinsen, sagte lachend „Na klar!“ und krabbelte über den Rand.

Wie cool, ich lag auf dem Rücken und konnte durch das Dachfenster in den schon fast nächtlichen Himmel sehen. Momentan gab es aber noch keine Sterne zu sehen, dafür aber den Mann zu spüren. Erst neben und dann über mir. Er schaute mir in die Augen, verdammt lang, bevor er mich endlich wieder küsste. Ich zog ihn an mich, wollte sein Gewicht auf mir spüren.

Es war warm oben auf dem Hochbett, die richtige Temperatur, um sich gegenseitig auszuziehen. Damit starteten wir auch bald und bis wir miteinander schliefen, dauerte es nicht lang. Anschließend lagen wir noch eine Weile aneinandergeschmiegt da, bis sich mein Magen mit einem leichten Knurren bemerkbar machte. Peter grinste „Jetzt hast du Hunger, ich aber auch.“

Ich verschwand kurz im Bad, während Peter sich schon anzog und in die Küche runter ging. Die Weingläser, die wir kaum angerührt hatten, nahm er mit. Als ich wieder angezogen war und in die Küche nachkam, war die Suppe schon fast heiß genug. Ich konnte Peter gerade noch daran hindern die ganze Packung Muschelnudeln, die er extra gekocht hatte, hineinzugeben. Auf so viel Nudeln in der Suppe stehe ich nämlich nicht.

Peter hatte schon den Tisch gedeckt, so dass wir gleich essen konnten. Wir saßen uns gegenüber, strahlten uns an, hatten viel zu erzählen, obwohl wir ja jeden Tag telefoniert hatten. Viel gegessen haben wir nicht, wir waren irgendwie doch zu abgelenkt. Es war schon recht spät, gemeinsam räumten wir die Küche auf und gingen anschließend wieder ins Bett. Ins Hochbett, keine Frage.

Wir kuschelten noch etwas, doch dann ging ich auf Abstand und unter meine eigene Decke. Ich war müde und aneinander gekuschelt kann ich gar nicht schlafen. Peter fand das schade, er kann das wohl. In der Nacht wurde ich ein paarmal wach, weil er versuchte, sich an mich zu schmiegen. Zum Glück war er einfach wieder wegzuschieben. Als ich ihm das am nächsten Morgen erzählte, war er erstaunt. Er hatte das gar nicht mitbekommen.

Am Samstag konnte ich dann Haus und Hof bei Tageslicht betrachten. Der Garten war recht verwildert, zwei große Bäume gab es auch, das hatte Charme und gefiel mir. Wir fuhren ein wenig mit dem Auto rum und Peter zeigte mir die Gegend, besonders auch Häuser, die ihm gefielen. Zwischendurch schauten wir spontan bei seiner Tochter vorbei. Sie hatte schon von mir gehört und war genauso gespannt auf das Kennenlernen wie ich. Da wir uns nicht angemeldet hatten, hatte sie leider nur wenig Zeit, wir hatten Glück, sie überhaupt zuhause angetroffen zu haben. Zwischendurch waren wir noch lecker Torte essen in einem Hofcafe in einem Dorf in der Umgebung. Wir hatten ja in Berlin schon festgestellt, dass wir beide auf buttercremige Torten stehen, möglichst mit Marzipan.

Peter hatte für das Wochenende eingekauft, nicht nur das Frühstück war üppig und lecker. Samstagabend machten wir uns Fisch und Sonntag Flammkuchen. Am Sonntag hatten wir dann auch mal in alten Fotos von Peter gestöbert. Er ist da nicht so sortiert wie ich, hat keine Alben, sondern einfach zwei Schubladen voll. Überraschenderweise fanden wir ein Foto von uns beiden von damals. In meinem Album klebte ja nur eins von mir, was aber bei ihm aufgenommen war. Bei ihm fanden wir eins vom selben Tag von uns beiden. Wenn ich mich recht erinnerte war das an seinem 20. Geburtstag aufgenommen worden. Wir waren echt begeistert von dem Fund, auch wenn das Foto schon etwas farbverfremdet war. Das Negativ gab es auch noch, so dass ich davon Abzüge machen lassen würde. Wir hofften auf naturgetreue Farben.

Wie schon am Wochenende vor zwei Wochen, konnten wir die Finger nicht voneinander lassen. Manchmal schafften wir den Weg ins Bett nicht. Ein Hochbett ist ja auch nicht so spontan erreichbar und im Schlafzimmer war es immer noch zu kalt. Anscheinend hat man deutlich mehr Lust aufeinander, wenn man so richtig verliebt ist. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schon jemals so verliebt war. Wahrscheinlich schon, aber das muss echt lang her gewesen sein.

Montagfrüh brachte mich Peter dann wieder zum Bahnhof nach Büchen. Der EuroCity hatte ein wenig Verspätung und so hatten wir länger Zeit zum Knutschen. Die Trennung fiel schwer. Wieder lagen zehn Tage vor uns, die wir uns nicht sehen würden.

Wir hatten ja darüber geredet, wie wir es machen könnten und entschieden, uns wenn möglich alle zwei Wochen zu sehen. Das war wohl eine von Vernunft gesteuerte Entscheidung, seufz.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 21 – Zwei Wochen sind lang

Was meinst du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.