Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 23 – Der 1. gemeinsame Kurzurlaub

Karfreitag 2013

Peter hatte mich ja bereits an unserem ersten gemeinsamen Wochenende Anfang März gefragt, ob ich Ostern mit nach Kappeln an der Ostsee kommen würde. Er würde gerne Ostern dort verbringen, im Haus von Freunden gäbe es eine Ferienwohnung. Ich freute mich über die Idee, hatte auch noch nichts vor und sagte ihm zu. Das letzte Wochenende bei ihm zuhause bestätigte meine Entscheidung nur noch.

In den zehn Tagen telefonierten wir weiter jeden Abend, oft eine Stunde lang, es gab so viel, was wir uns zu erzählen hatten. Ich war interessiert an seinem Leben auf dem Land und seinen Hausbauplänen und Peter fand mein Leben in der Stadt, meine Reisen und meine Begeisterung für Griechenland wohl auch spannend. Beeindruckt war er auch davon, dass ich hier in Berlin ein paar echt gute Freundinnen und generell einen recht großen Freundeskreis habe. Sein Freundeskreis hatte sich nach der Trennung von der Mutter seiner Tochter vor drei Jahren doch ziemlich minimiert. Es waren wohl eher die Freunde seiner Lebensgefährtin als seine gewesen.

Am Donnerstagspätnachmittag fuhr ich dann wieder mit der Bahn bis Büchen und Peter holte mich dort ab. Auch diesmal wartete er wieder auf dem Bahnsteig, auch diesmal wieder am entgegengesetzen Ende des Bahnsteigs. Ich hatte schon nach Peter Ausschau gehalten, als der Zug in den Bahnhof einfuhr, und ihn auch gleich entdeckt. Nachdem ich ausgestiegen war, konnte ich beobachten, wie er sich suchend umschaute. Dann hatte Peter mich entdeckt, das Strahlen in seinen Augen konnte ich auf diese Entfernung nur erahnen. Es war nicht viel los auf dem Bahnsteig, so hatten wir freie Sicht, als wir aufeinander zugingen. Das Lächeln wurde schon fast zu einem Grinsen … ich hätte Hüpfen können vor  Freude. Endlich stand ich vor ihm und er nahm mich in die Arme, hielt mich wieder etwas von sich weg, musste mich anschauen. Der folgende Kuss war lang und innig.

Es war kalt. Peter nahm mir den Trolley ab, mich bei der Hand und so gingen wir schnell  zum Auto. Die Standheizung lief, es war kuschelig warm im VW-Bus. Warm genug, die Winterjacke auszuziehen. Peter beugte sich zu mir rüber, zog mich an sich. Mir war schon wieder nach Knutschen, mich an ihn zu schmiegen. Peter tastete mit einer Hand nach der nackten Haut unter meinem Pulli. Seine Hand mit festem Druck auf meinem Rücken, die Finger schon fast im Bund meiner Jeans. Seine Zunge in meinem Mund, mir wurde heiß. Der VW-Bus war allerdings doch etwas unbequem und der Bahnhofsvorplatz etwas zu öffentlich.

Ich schob Peter vorsichtig ein wenig zurück. „Honey, was hältst du davon, wenn wir schnell zu dir fahren?“

Peter schaute eben aus dem Fenster, so ganz allein waren wir hier nicht. Er lächelte, gab mir noch einen kleinen Kuss und zog sich hinters Lenkrad zurück. „Dann lass uns das mal machen.“

Er startete den Motor und damit auch den CD-Player. „Hallo Engel“ lief, das war die CD, die ich ihm gebrannt und letztes Wochenende mitgebracht hatte. Ich sang leise den Text mit und Peter bemerkte „Die CD hat seit letzter Woche nicht den Player verlassen. Erst konnte ich mich gar nicht mehr so daran erinnern, dass ich dir die Platte damals vorgestellt hatte, doch jetzt wo ich sie häufiger angehört habe, kommt die Erinnerung wieder. Hab aber keine Ahnung, wo die LP abgeblieben sein könnte“.

Ich überlegte, hatte ihm ja schon gesagt, dass ich vor zwei Jahren, als ich meinen Plattenspieler endlich abgeschafft und die Platten auf ebay vertickt hatte, mir vom Erlös meine Lieblingsplatten auf CD nachgekauft hatte. Da war auch die Waggershausen- LP dabei gewesen. Hm, möglicherweise hatte mir Peter damals die LP geschenkt. „Vielleicht hast du mir die damals geschenkt?“ fragte ich Peter.

Peter lächelte. „Vielleicht, aber eigentlich ist die viel zu schön, die hätte ich sicher nicht hergegeben. Vielleicht habe ich dir auch ein Exemplar geschenkt.“ Das ließ sich nun aber nicht klären, uns fehlte beiden die genauere Erinnerung daran.

„Es ist eine schöne Erinnerung, wenn es so gewesen ist.“ sagte ich zu ihm.

Er spann die Sache weiter „Noch schöner ist die Erinnerung, dass ich dir meine LP geschenkt habe, oder?“

Ich lachte, oh, ich war ja soo verliebt. Und er auch, so wie er aussah!

Peter hatte schon ein paar Kleinigkeiten fürs Abendessen bereitgestellt. Frisches Bauern-Baguette, Serrano-Schinken, Manchego-Käse, Aioli, Oliven, getrocknete Tomaten, Rioja …  Er weiß schon was ich mag, bzw. wir mögen beide die gleichen Sachen. Schööön!

Doch bevor wir zum Essen kamen, mussten wir erst einmal fortsetzen, was wir im VW-Bus angefangen hatten. Das Abendessen trug Peter dann anschließend ins diesmal beheizte Schlafzimmer und wir machten es uns im Bett gemütlich.

Karfreitag schliefen wir aus, nach Kappeln war es ja nicht so weit, Peters Freunde erwarteten uns eh erst am frühen Abend. Andreas war ein alter Freund von Peter und nach der gemeinsamen Ausbildung dann mit seiner Freundin Andrea zur Ostsee abgewandert. Die beiden hatten ein Haus in einem Dorf nahe Kappeln und dort eine Ferienwohnung zu vermieten.

Als wir ankamen, trugen wir erst einmal unsere Sachen in die Ferienwohnung und waren dann auch gleich zum Abendessen bei Andreas und Andrea eingeladen. Peter hatte die beiden zwei Jahre nicht gesehen und es waren außerdem die ersten Freunde, die ich von ihm kennenlernte. Es wurde ein schöner aber auch etwas längerer Abend.  Etwas zu lang für frisch Verliebte. Ob es Andreas und Andrea etwas zu früh fanden, als wir uns verabschiedeten? Egal!

Ein bisschen angeschickert vom Sekt, den wir mitgebracht hatten, und vom Wein der Gastgeber landeten wir wieder in unserer Ferienwohnung. Die Heizung im Schlafzimmer war nicht an! Oh, grausam! Kurz ins Bad, in dem es auch nicht viel wärmer war und dann unter die Decken, leider – wie üblich – zwei kleine Decken. Eine große 220 * 240 cm Decke, wie ich sie habe, wäre besonders bei dieser Raumtemperatur von gefühlten zehn Grad echt angebrachter gewesen. So versuchten wir, uns unter einer Decke zusammenzukuscheln, was nur mit Hilfe der zweiten Decke und irgendwie auch nicht wirklich gut machbar war.

Zu kalte Temperaturen im Schlafzimmer sind üblicherweise tödlich für Sex, doch wenn eine Beziehung noch so jung ist wie unsere … schon als wir bei unseren Gastgebern waren lief das Kopfkino an, wenn wir uns zwischendurch tief in die Augen sahen. So reichten nun ein paar heftige Küsse und den nackten Körper des anderen spüren, uns heiß zu machen. Die zu kleine Decke war dann auch egal, die zu kalte Raumtemperatur nicht mehr wahrnehmbar. Erschöpft schliefen wir dann irgendwann unter unseren einzelnen Decken ein.

 

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