Für ihn lasse ich jeden anderen Kerl stehen – Kapitel 26 – Der Leuchtturm

Ostermontag 2013

 Ostermontag gab es kein Frühstück im Bett, wir hatten mit Andreas und Andrea verabredet, bei denen zu frühstücken. 10 Uhr war eine gute Zeit. Für mich, um nicht vor Hunger zu sterben und für Peter um annähernd ausgeschlafen zu sein.

Ich war wie immer recht früh wach und erlaubte es mir, Peter gegen 9 Uhr zärtlich zu wecken. Da hatte er immerhin auch neun Stunden Schlaf gehabt … und wir noch ein wenig Zeit für uns, bevor wir verabredet waren. Aber so ganz glücklich war er über das Wecken zuerst nicht, noch so richtig verschlafen, wenn auch nicht ungnädig mit mir. Als er bemerkte, wie ich mich an ihn kuschele, zog er mich dann doch an sich und bis zu den ersten Küssen dauerte es nicht lang.

Peter ist ein Mensch, der eh am liebsten aneindergekuschelt, in Löffelchen-Stellung oder so schlafen würde. Ich kann das gar nicht. Und da gibt es auch kein „leider“ zu sagen, da ich damit prima klarkomme. Peter findet das schade. Aber ich brauche den Abstand und meine Ruhe, am liebsten sogar ein eigenes Bett oder noch besser eigenes Zimmer. Außerdem kann ich nur auf dem Rücken liegend schlafen. Und meine Aufbissschiene findet Peter unsexy. Er fragte, wie lange ich die denn tragen müsste. „Für immer.“ war keine Antwort, die ihm gefiel.

Wir schafften es dann gerade so, pünktlich nebenan zum Frühstück zu erscheinen. Grins. Ich denke, Andreas und Andrea hatten mit dieser Pünktlichkeit morgens um zehn weniger ein Problem, die sind ja schon 25 Jahre oder so zusammen und nicht frisch verliebt, wie wir.

Es wurde ein sonniger, wenn auch kalter Tag, zum Glück nicht so windig. Am Nachmittag fuhren wir nach Falsthöft, diesmal nahmen wir Kermit mit auf unseren Spaziergang.

Der grüne Frosch ist aus Plüsch und etwa 75 cm groß. Ich hatte ihn vor 25 Jahren geschenkt bekommen, weil er irgendwie so gut zu meinem knallroten Fiesta passte, wie mein damaliger Freund meinte. Seitdem fuhr er im Fiesta als Beifahrer oder angeschnallt auf dem Rücksitz mit, später zog er dann immer in das Folge-Auto um. Zu seinem 21. Geburtstag hatte ich Kermit einen Waschmaschinenausflug gegönnt und danach sah er wieder richtig frisch und qietschegrün aus. Da ich vor etwa zwei Jahren mein Auto abgeschafft hatte, musste Kermit dann erstmal in meine Wohnung einziehen. Jetzt für den Ostsee-Ausflug hatte ich Kermit mit nach Lauenburg gebracht, er konnte nun in Peters VW-Bus mitfahren.

Den Leuten, denen wir auf unserem Spaziergang begegneten, gaben wir sicherlich ein Gesprächsthema, wir registrierten meist amüsierte Blicke. Wir hatten Kermit in die Mitte zwischen uns genommen, gingen sozusagen Hand-in-Hand mit dem Frosch. Die Kamera hatten wir auch wieder dabei und besonders mit dem rot-weißen Leuchtturm im Hintergrund gab es schöne Fotos. Peter erwähnte, dass der Leuchtturm auch für Trauungen genutzt werden würde. Nach dieser Aussage suchte ich seinen Blick, doch er schaute weiter auf den Leuchtturm, drückte nur meine Hand ganz fest.

Peter hatte zwar eine 23jährige Tochter, war allerdings mit ihrer Mutter nicht verheiratet gewesen. Irgendwie wollten sie nicht bzw. fanden es nicht notwendig, als das Kind unterwegs war und später war es irgendwie zu spät. Sie waren zwar 25 Jahre zusammen gewesen, aber sie hatte ihn zwischenzeitlich auch betrogen … die ganzen Details hatte Peter allerdings nicht erzählt. Das sind so Themen, die man in der akuten Verliebtheitsphase besser ausspart.

Ich hatte mit 28 geheiratet, weniger aus romantischen Gründen, sondern weil wir zusammen ein Geschäft aufgemacht hatten. Das Geschäft entwickelte sich prächtig, wir waren ein super Team, aber eben auf Dauer kein Liebespaar, so trennten wir uns etwa sieben Jahre später.

Abends gingen Peter und ich noch einmal in die ALTE RÄUCHEREI. Ostermontag war es kein Problem, auch ohne Reservierung eine schöne ruhige Nische zu finden. Wir zogen es vor, nebeneinander zu sitzen, da konnten wir besser kuscheln und knutschen, auch wenn wir zum in-die-Augen-Schauen den Kopf drehen mussten.

Peter wollte wieder die Kutterscholle, ich entschied mich für die Heringe, die sollten ja eine Spezialität hier sein. Das Essen war wieder köstlich und die Heringe viel zu viel. Schön, dass Peter von meinem Teller naschte. Nach dem Essen saßen wir dicht aneinandergekuschelt da, widmeten uns unseren Getränken, knutschten und hingen ein wenig unseren Gedanken nach. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Peter etwas unruhig war, etwas sagen wollte …

Ich wurde schon ganz kribbelig, würde er mich etwa fragen, ob ich ihn heiraten will. Das war ja der Gedanke, den ich schon vor gut ner Woche hatte, den Mann würde ich heiraten. Auch wenn ich nach meiner Scheidung eigentlich nie wieder an Heiraten gedacht hatte, speziell in den letzten Jahren nicht. Und auch auf unseren Mädelsabenden die Meinung vertrat „Heiraten, nee, wozu?“. Mit Peter war irgendwie alles anders, soo romantisch.

Irgendwann war es mir zu viel, so gar nichts zu sagen, auch wenn das gemeinsame Schweigen nicht unangenehm war. Ich brachte die Sprache auf unseren nachmittäglichen Spaziergang, vielleicht würde ihm das ja eine Vorlage geben. Doch nichts. Also realistisch betrachtet ist ein Heiratsantrag nach vier Wochen auch verdammt früh. Peter fiel mein Strahlen in den Augen auf, er sagte „Kann mich nicht erinnern, wann ich schon mal so verliebt war. Es ist ein richtig tolles Gefühl.“

Die folgende Knutscherei machte uns wieder so an, dass wir es doch an der Zeit fanden, in unsere Ferienwohnung zurück zu fahren.

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