Was erwarten wir von einem Mann, von einer Beziehung?

In der Juli-Ausgabe der Brigitte Woman gab es diesen Artikel „Männer wie Sand am Meer“. Die Autorin schrieb, dass sie auch mit 55 nach wie vor mehr Männer haben könne, als sie braucht, denn sie akzeptiere sie einfach wie sie seien. Sie sucht nicht alle guten Eigenschaften in einem Mann, denn dann würde sie auch keinen finden.

Auch ich denke, den Märchenprinzen, der alles hat und kann und komplett so ist, wie ich ihn mir wünsche, gibt es nicht.

2008 hatte ich mal eine Liste erstellt, mit den Eigenschaften, die ein Mann haben sollte, damit er zu mir passt. Die Liste ist nicht nach Priorität aufgebaut, es war einfach ein Brainstorming. Auch wenn ich diese Liste heute durchgehe, entspricht sie weiterhin meinen Erwartungen.

Er muss zärtlich sein, generell Körperkontakt mögen und gern schmusen.
Er mag Sex (tagsüber, abends, nachts, morgens, auch an ungewöhnlichen Orten).
Er lebt seinen Verhältnissen entsprechend.
Er hat ähnlich viel oder mehr Geld als ich.
Er mag seinen Job.
Er wohnt in der Nähe.
Er ist sportlich und kümmert sich um seine Figur.
Er kann tanzen.
Er mag seinen Body.
Er stylt sich, wie ich es mag.
Er hat gute Freunde.
Er feiert auch mal gerne.
Er macht gern Urlaub.
Er bouldert, fährt Longboard oder Mountainbike, surft vielleicht.
Er trifft sich gern mit Freunden, mit seinen sowie mit meinen.
Er ist interessiert an mir und meinem Leben und offen über sich selbst.
Er ist zuverlässig..
Er ist konfliktfähig.
Er isst ähnlich wie ich.
Er trinkt ähnlich wie ich.
Er raucht wenig oder gar nicht.
Er kifft nicht und nimmt sonst irgendwelches Zeugs.
Er mag warm schlafen.
Er mag auf Abstand schlafen, so wie ich auch.
Er hat ein ähnliches Schlafbedürfnis wie ich.
Er ist unkonventionell und modern.
Er ist jung (im Geist), auch wenn er schon älter ist.
Er hat Verantwortungsbewusstsein.
Er riecht gut (sowieso) und pflegt sich.
Er hat eine saubere Wohnung.
Er ist optimistisch.
Er lebt im Jetzt und genießt das Leben.
Er will keine Kinder und hat – wenn überhaupt – erwachsene Kinder.
Er ist zu einer langfristigen Beziehung bereit.
Er ist kontaktfreudig.
Er respektiert mich.
Er lässt mir Freiräume.
Er ist stolz auf mich und ich kann stolz auf ihn sein.

Die Liste passt immer noch, doch so einen Mann, der alle diese Eigenschaften hat, den gibt es ziemlich sicher nicht. Wenn frau schon über 50 ist und/oder die Familienplanung abgeschlossen hat, dann ist das sicher auch nicht notwendig.

Mein Mann erfüllt gut ein Drittel dieser Anforderungen, das ist schon mal was und das könnte für ein schönes gemeinsames Leben reichen. Allerdings sind wir sehr unterschiedlicher Meinung darüber, was ein gemeinsames Leben ausmacht.

Er möchte nämlich alles gemeinsam und auch noch nach seinen Vorstellungen machen und deshalb ist er sehr oft enttäuscht. Ich finde es nicht notwendig, alles gemeinsam zu machen. Unsere Fernbeziehung – obwohl wir verheiratet sind – tut mir gut. Ich genieße es, auch eine Weile ohne ihn zu sein, umso mehr kann ich dann die gemeinsame Zeit genießen. Er möchte, dass ich zu ihm ziehe. Auf den Gedanken zu mir zu ziehen, kommt er gar nicht. Aber davon abgesehen will ich das auch nicht. Er hat mir einen Antrag gemacht, ich habe „ja“ gesagt und wir haben ganz schnell geheiratet. Ob ich zu ihm ziehe, hatte er nicht gefragt, das hatte er einfach vorausgesetzt.
Wenn ich mir so einige Punkte anschaue, dann muss ich schmunzeln. Oder muss ich mir sogar Sorgen machen? Nein, ich sehe es eher locker. Und ich habe festgestellt, verheiratet sein verbindet. Da akzeptiere oder toleriere ich eher, als wenn ich nur eine Beziehung habe. Da schmeiße ich nicht einfach das Handtuch und suche mir einen neuen Mann.

Auch wenn der Punkt „Er hat ähnlich viel oder mehr Geld als ich.“ zutrifft, dann bedeutet das noch lange nicht, dass wir ständig gemeinsam in Urlaub fahren können. Er gibt sein Geld nämlich ganz anders aus als ich. Schade. So muss ich weiterhin meist mit Freundinnen oder allein in Urlaub fahren. Und das tue ich. Was er dann nicht gut findet, das hat er sich in einer Ehe anders vorgestellt.

Oder „Er mag seinen Body.“ Ja, das tut er. Er hat vier Kilo zugenommen, seitdem wir zusammen sind, ausschließlich am Bauch, habe ich den Eindruck. Er fühlt sich damit wohl, sagt, das sei ganz normal mit 55. Ich frage mich, wie viel Bauch er haben muss, damit ich ihn irgendwann nicht mehr sexy finde. „Er mag seinen Body.“ hatte ich irgendwie anders gemeint, nämlich so, dass er auch etwas für einen schönen Körper tut.

Und dass der Punkt „Er hat ein ähnliches Schlafbedürfnis wie ich.“ so gar nicht zutrifft, ist eher von Vorteil. So habe ich an unseren gemeinsamen Wochenenden morgens einfach Zeit für mein Workout, während er noch schläft. Und danach frühstücken wir gemeinsam im Bett, das genießen wir dann!

2008 hatte ich diese Aufstellung gemacht, nachdem ich mich nach kurzer Zeit mal wieder von einem Mann getrennt hatte, weil so vieles nicht passte. Im Laufe der letzten Jahre habe ich dann akzeptiert, dass eben nicht alles passen kann. Und dass ich einen Mann, ob in meinem Alter oder auch deutlich jünger – wie sie meist waren – nicht mehr ändern kann. Der Mann ist erwachsen, so wie ich auch. Wir haben uns zu der Persönlichkeit entwickelt, die wir jetzt sind. Und solange wir uns anziehend finden und miteinander lachen können, ist für mich alles gut. Ja, eben für mich. Ich hoffe, das sieht mein Mann auch so.

Es reicht ja nicht, wenn nur ich mir sage, es muss nicht alles passen. Wir können eine schöne gemeinsame Zeit haben – wie lange sie auch immer dauert. Mein Mann ist da wohl nicht ganz so tolerant. Er findet mich oft kompliziert. Ich lebe im Jetzt, genieße das Leben! Er plant und investiert und lebt mehr für die Zukunft. Er investiert da eine Menge Zeit, Arbeit und Geld und ist obendrein mit den ganzen offenen Baustellen noch überlastet, kriegt den Kopf nicht frei. Mein Leben ist auch ausgefüllt, aber entspannt.

Ich hatte mit 27 Krebs, zum Glück in einem extremen Frühstadium erkannt. Es gab nur eine OP, ich brauchte noch nicht einmal eine Chemo. Das hätte auch anders ausgehen können. Das hat mich geprägt. Niemand kann uns sagen, wie lange das Leben dauert. Also lebe ich jetzt. Und ich finde es schade, dass er diese Einstellung nicht teilt. Er ist am Wochenende oft so erschöpft, weil er sich neben der Arbeit noch so viele andere Sachen aufhalst. Daher auch sein hohes Schlafbedürfnis.

Im Laufe meines Lebens hatte ich viele Beziehungen, mal ein paar Wochen, mal ein paar Jahre. Ich war nie lange ohne Mann. Ich flirte und lache gerne. Ich habe immer noch eine recht mädchenhafte Ausstrahlung, die sicherlich auch mit meinen 1,64 und der zierlichen Figur zu tun hat. Das hat dann sicher auch die jüngeren Männer angezogen, besonders im letzten Jahrzehnt waren sie teils um die 15 Jahre jünger. Ich mochte das, denn sie waren sexy. Und sie fanden mich sexy. Es hat mich nicht gestört, dass es sicher nicht ewig halten würde, trotzdem waren es dann auch mal ein paar Jahre. Und es war sogar einfacher, als mit den gleichaltrigen Männern. Wahrscheinlich deshalb, weil wir beide nicht so viel erwartet und alles gelassener gesehen hatten. Und weil wir uns genügend Freiheit gelassen haben.

4 Gedanken zu „Was erwarten wir von einem Mann, von einer Beziehung?

  1. So eine Liste sollte jede Frau haben. Viele Frauen sind jahrelang mit einem Partner zusammen, der nicht passt. Ich finde das verschwendete Zeit. Zumal man in dieser Zeit blockiert ist für Jemand der wirklich passt. Natürlich wird es kaum einen Mann geben, der all diese Bedingungen erfüllt, aber 75% sollten es schon sein. Und das scheint ja bei Dir der Fall zu sein.

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