Mein heimlicher Jugendschwarm – 4. Teil

(Fortsetzung zum Eintrag vom 24. September)

Ich war schon etwas aufgeregt. Gleich würde ich Carlo wiedersehen, das erste Mal nach 37 Jahren. Was für eine lange Zeit! Sein Porträt auf xing wirkte sehr gediegen, na ja, Außendienstler mit viel Kundenkontakt eben. Ich hatte überlegt, ein Kleid anzuziehen, mich dann aber doch für die neuen recht engen Mavi-Jeans und ein schwarzes schlichtes Vive-Maria-Langarmshirt entschieden.

Das kleine Hotel in der Winterfeldtstraße hatte ich ihm empfohlen und da holte ich ihn gestern Abend ab. Also erkannt hätte ich ihn auch nach dem xing-Foto nicht, wenn ich ihn irgendwo auf der Straße getroffen hätte. Er sieht schon deutlich fescher aus, als auf dem Foto. Sportlich-schlank ist er, und groß, bestimmt 1,90, das hatte ich nun echt nicht mehr in Erinnerung. Dunkle kurze Haare, noch kein grau zu sehen – oder sind sie gefärbt? – und dazu ein klassisches Freizeitoutfit mit Jeans und gemustertem Hemd, allerdings auch die üblichen dunklen Business-Schuhe.

Ein Lächeln zog über sein Gesicht, als er mich sah. Wir begrüßten uns artig per Handschlag und liefen dann zum Muntagnola, meinem Lieblings-Italiener. Der übliche Small-Talk als Start: wie ist das Hotelzimmer? wie war der Arbeitstag heute? etc.  Wir wollten beide Rotwein und Pizza, das passte schon mal gut.

Nachdem wir bestellt hatten erzählten wir gegenseitig über unser Leben. Fingen natürlich mit der Zeit nach der Schule an, blieben aber nicht in der Chronologie. Und zwischenzeitlich natürlich das Übliche aus der Schulzeit „weißte noch, wie Herr H…“ etc. Carlo konnte sich da aber an mehr erinnern als ich mich.

Nicht zur Sprache kam, wie unser Verhältnis damals zueinander war. Ich denke, darüber hätten wir gut lachen können. Ich hatte aber auch keine Lust das Thema anzusprechen, da bei unserem Treffen das Prickeln / die Spannung fehlte, die ich eigentlich erwartet hätte. Na ja, Carlo fällt halt nicht in mein Beutechema, er wirkt einfach zu erwachsen. Auch wenn ich jetzt verheiratet bin, wäre gegen einen kleinen Flirt (verbal und mit Blicken) ja nichts einzuwenden. Ich schaue immer noch gerne nach hübschen jüngeren Männern, aber ich schaue eben nur.

Schon komisch, dass ich damals in Carlo verknallt war. Oder nee, eigentlich nicht. Er war nun mal der interessanteste und bestaussehendste Junge unserer Klasse.

Carlo ist verheiratet, keine Ahnung ob glücklich, und hat zwei gerade erwachsene Kids. Er macht seinen Job und dann so die Sachen, die man mit Frau und ggf. Familie auf dem Land eben so macht. Eigentlich ist er da Peter gar nicht so unähnlich.

An seinem Job findet Carlo allerdings gut, dass er immer ein paar Tage die Woche unterwegs ist. Hm, vielleicht lässt es sich so eher mit Frau und Familie aushalten. Von Berlin kannte er nur so die üblichen touristischen Highlights, auch was Ausgehen angeht, gähn! In Schöneberg war er noch nie gewesen.

Also, der Abend war nicht langweilig, wir hatten ja viel zu erzählen. Nach dem Essen gingen wir noch auf einen Cocktail ins Mister Hu. Carlo war beeindruckt, er kannte anscheinend nur eher klassische Cocktailbars. Dann schleppte ich ihn noch auf einen Absacker ins M, wo mich die Barkeeperin wie immer mit ein paar netten Worten begrüßte. Ich denke, der werde ich demnächst erklären dürfen, welchen smarten Kerl ich da bei mir hatte, smile.

Nicht zu spät lieferte ich Carlo an seinem Hotel ab. Er kam nicht auf den Gedanken, mich zu meiner Wohnung zu bringen. Das ist anscheinend typisch für Männer vom Land, Peter käme auch nicht auf die Idee. Im Berlin macht das üblicherweise jeder meiner Freunde und Bekannten, wenn wir uns bei mir in der Nähe treffen, ist eben eine Großstadt.

Carlo und ich verabschiedeten uns mit Bussi-Bussi, wobei ihm das anscheinend ungewohnt war, jedenfalls der 2. Bussi.

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2 Gedanken zu „Mein heimlicher Jugendschwarm – 4. Teil

  1. Hallo unbekannte erwachsene Frau 🙂

    Und, habt Ihr jemals wieder voneinander gehört? Und hättest Du ihn lieber in Erinnerung behalten, wie es vor Eurem Treffen war? Was hätte Dein Partner gesagt, wenn Du mit ihm doch darüber gesprochen hättest, einen Jugendschwarm/Klassenkameraden wieder zu sehen?

    Diese Fragen gingen mir beim Lesen Deiner vier Artikel so durch den Sinn, zumal ich mir auch hin und wieder über dieses Thema Gedanken gemacht hatte, und darüber, was wäre wenn … schon spannend, VORHER.

    LG Mies

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