Erst die niedliche Kleine … und nun? … die Frau im mittleren Alter?

Erica Jong schreibt in ihrem Buch „Fünfzig Jahre alt zu sein ist für eine Frau anders als für einen Mann. Es ist ein radikaler Übergang auf die andere Seite des Lebens … Du sagst dir, du solltest über die Eitelkeit hinaus sein … Doch … die Schönheitsfalle ist tiefer, als du dachtest. Nicht so sehr der äußere Druck hält einen gefangen, sondern der innere. Du kannst dir nicht vorstellen, im mittleren Alter zu sein – du warst doch immer die niedliche Kleine, die immer, selbst wenn sie übergewichtig war, das gewisse Etwas besaß.“

Sie hat so recht!

Bin ich für mich schön genug? Irgendwie bin ich das aktuell noch nie gewesen und jetzt erst recht nicht. Wenn ich mir alte Fotos anschaue, dann denke ich, ja, da war ich die niedliche Kleine. Doch damals dachte ich nicht so. Vielleicht habe ich es immer mal angenommen, wenn mir ein Mann mal wieder die Bestätigung gegeben hat, durch seine Aufmerksamkeit, durch seine Verliebtheit. Schon übel, diese Abhängigkeit von der Bestätigung eines Mannes. Auch wenn ich es nicht immer geglaubt habe, wenn ein Mann mich süß fand.

Und jetzt bin ich die Frau im mittleren Alter, der meine zwölf Jahre jüngere Freundin Maja sagt, dass sie den Minirock doch etwas kurz findet. Auch wenn ich dann sage „Süße, ich hab die passenden Beine dazu, und in Nylons erst recht.“ mache ich mir doch Gedanken darüber.

Meine Lehrerin letztes Jahr auf dem Sprachkurs in Kapstadt sagte, sie würde immer den Eindruck haben, da kommt ein College-Girl, wenn ich auf sie zukomme. Klar, so klein und zierlich wie ich bin, dazu in Jeans, Sneakern, einem engen T-Shirt, die blonden Locken offen … Aber wenn ich ihr dann gegenüberstehe, dann sieht sie doch, dass ich älter bin. Auch wenn ich nicht wie Anfang fünfzig aussehe, Anfang vierzig gibt man mir schon – speziell wenn die Betrachterin selbst fünfzig ist.

Das ist auch so eine Sache der unterschiedlichen Wahrnehmung. Je jünger die Leute sind, die ich treffe, umso jünger schätzen sie mich. Sie können sich einfach nicht vorstellen, aufgrund meines Auftretens und Outfits, dass ich schon über fünfzig bin.

Tatsache ist aber auch, dass der Umgang mit deutlich jüngeren Freunden einen selbst jünger hält.

Ich habe nicht ständig im Kopf, ich würde nicht mehr gut genug und jung genug aussehen. Ich verschwende da oft überhaupt keinen Gedanken dran, gerade wenn ich Dinge unternehme, die echt Spaß machen.

Ich bin auch kein Mensch, der ständig in den Spiegel schaut. Auch wenn ich das vielleicht einmal mehr tun sollte, z. B. wenn ich an einem regnerischen Tag ins Büro geradelt bin.

Männer machen sich wirklich anscheinend deutlich weniger Gedanken über ihr Aussehen. Auch mit zehn Kilo zu viel und dadurch deutlichem sichtbarem Bauch, kommen sie auf die Idee, dass sie interessant für so eine zierliche Frau wie mich sein könnten.

Klar, graue Schläfen, ausgeprägte Geheimratsecken oder eine beginnende Glatze halten uns nicht unbedingt davon ab, einen Mann attraktiv zu finden, wenn er ansonsten gepflegt auftritt … und die Frisur zum nachlassenden Haarwuchs passt. Und wer von uns macht sich schon groß Gedanken über die Falten eines Mannes? Warum sollen die Männer sich dann also einen Kopf darum machen?

Aber wir machen uns Gedanken um unsere Falten, versuchen Hyaluronsäure, vielleicht Botox, tragen mehr Make-up auf, verdecken unsere Oberarme und Ellenbogen durch lange Ärmel, tragen Tücher oder leichte Schals um den Hals und gehen nicht mehr mit nackten Beinen zum kurzen Rock raus.

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