Online-Dating – John

(Fortsetzung zum Eintrag vom 20.12.2015)

Donnerstagabend hatte Christine sich bei Finya angemeldet. Am Samstag hatte sie dann die ersten Mails gelesen und eben auch John geantwortet. John ist 37 und hat ein paar smarte Fotos auf Finya, sein Profil ist auch recht vollständig und ansprechend. Okay, er ist nicht so sportlich wie sie, aber für eine Affäre muss ja nicht alles passen.

John hatte schon die erste Nachricht geschickt, als Christine noch gar kein Foto hochgeladen hatte.

Hallo!
Magst du ne Runde plaudern oder komme ich ungelegen? 😉
LG
John

Daraufhin hatte Christine sich nur sein Profil angeschaut, aber noch nicht geantwortet. Sie hatte überhaupt noch niemanden geantwortet. Die etwa fünfzig Mails in ihrem Postfach machten sie einfach nur neugierig. Außerdem versuchte sie sich weiter im Foto-Hochladen, was nicht so einfach war. Die Fotos wurden immer abgelehnt, weil ihr Gesicht nicht klar genug zu erkennen war. Da fragt sie sich, wie manche Männer ihre Fotos eingestellt bekommen haben. Die Fotos sind oft so unscharf oder eben auch Ganzkörperaufnahmen, wo man das Gesicht nun nicht wirklich gut erkennen kann.

Als sie nun endlich ein paar Fotos online hatte, kam die nächste Nachricht von John.

Jetzt, wo deine Pics freigeschaltet sind, ist es noch bedauerlicher, dass ich abgeblitzt bin. 😉
Dann mal viel Spaß hier und noch einen schönen Abend!

Aha, so wirkt das, wenn frau eine Mail bekommt, sich dann das Profil anschaut und nicht antwortet. Also antwortete Christine ich ihm doch mal eben. Das, was er auf Finya online gestellt hat, gefällt ihr schon. Und sein Alter findet sie auch gerade mal passend.

Babe, ich bin seit gestern angemeldet und muss mich hier erst einmal zurechtfinden.
Schreib doch derweil mal etwas mehr über dich.
Hm, Werder ist nicht direkt um die Ecke und ich hab kein Auto.
Ach ja, und ich hab beim Alter etwas gemogelt. Die Fotos sind aber aktuell.
Lieben Gruß
Chrissie

John antwortete sofort:

Das sollte auch nicht blöd klingen, falls es so rüber kam, ich bin einfach nur davon ausgegangen, aber selbstmurmelnd kannst du dir natürlich nicht alle Profile und Mails in ein paar Minuten ansehen.
Was interessiert dich denn? Ich kann dir sagen, dass ich ein recht offener und spontaner Zeitgenosse bin, der sehr selten schlachte Laune hat.
Und wie sehr hast du gemogelt, wenn ich fragen darf?
Ich habe ein Auto und finde die Entfernung zwischen Werder und Berlin nicht allzu dramatisch, muss auch fünfmal die Woche hin. 🙂
Gruß
John

Und schrieb kurze Zeit später noch einmal:

Die Frage kann ich auch zurückziehen, da mir recht wurscht ist, wie alt du tatsächlich bist, denn mir gefällt, was ich sehe.
Bist du denn mehr auf nette Mail-Bekanntschaften aus oder darf es auch das real life sein?

Was war das für eine Frage nach Mail-Bekanntschaften, komisch, Christine antwortete.

Schmunzel,
ich habe mich fünf Jahre jünger gemacht, da Männer in meinem Alter einfach nicht zu mir passen (und ich nicht zu denen) und ich auch sowieso und nicht nur äußerlich viel jünger wirke.
Nee, Mail-Bekanntschaften brauch ich nicht, aus dem Alter der Brieffreundschaften sind wir doch raus.
Ich bin auch nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung, da ich irgendwann von hier weg will (noch keine konkreten Pläne, aber mein Traum und in Entwicklung).
One-Night-Stands sind auch nicht mein Ding, eine regelmäßige Affäre wäre prima … und wenn man sich dazu noch gut versteht und vielleicht auch mal was zusammen machen oder verreisen mag, wär das auch nicht schlecht.
Ist das was für dich? Du hast ja in deinem Profil offen gelassen, was du suchst.

John hat in seinem Profil stehen, dass ihn Frauen, die die virtuelle Welt nicht verlassen wollen, nicht anschreiben sollen. Hm, sind hier etwa Frauen unterwegs, die einfach nur chatten und gar nicht daten wollen? Das muss sie ihn bei Gelegenheit mal fragen.

John antworte schnell

Wo soll es denn hingehen? Auf einen anderen Kontinent?
Also regelmäßiger Sex mit demselben Mann, der dir idealerweise auch sympathisch ist? 😉
Klingt gut, zumal ich ohne Sympathie auch keinen Sex haben könnte. Ich muss nicht verliebt sein, um Spaß daran zu haben, aber die Chemie sollte schon stimmen.
Wenn du magst, können wir ja feststellen, ob wir uns anziehend finden.

… während Christine auch noch etwas hinterherschickte

Ich wollte damit sagen, dass es auch etwas mehr sein kann, als nur Sex. Dass man sich sympathisch ist und gut riechen kann setze ich voraus … lächel.

Das entwickelte sich hier zu einem richtigen Chat, dabei wollte Christine doch eigentlich noch weitere Mails lesen. Na egal, ein interessanter Kontakt reichte ja erstmal.

John schrieb

Wenn man sich gut versteht, spricht auch nichts dagegen, sich nicht nur im Bett aufzuhalten. 😉
Stimmt, das ist die Grundvoraussetzung.

Was steht denn für dich im Vordergrund, der Sex oder gemeinsame Unternehmungen?

Kann ich denn davon ausgehen, dass die Tatsache, dass du dich mit mir unterhältst und mich gefragt hast, ob das was für mich wäre, bedeutet, dass ich rein optisch in dein „Beuteschema“ passe?

 

Oh, Schreiben war mühsam, Telefonieren wäre echt besser, also schrieb Christine

Ruf mich an xxxx yyy zzzz

 

Ein paar Minuten später klingelte ihr Handy. Johns Stimme gefällt ihr, auch die Art, wie er redet. Christine musste natürlich gleich danach fragen, ob es wirklich so ist, dass manche Frauen sich nicht treffen wollen. Ja, nicht treffen und noch nicht einmal telefonieren, auch wenn der Chat echt in Ordnung war, sagte John. Er habe keine Lust, damit seine Zeit zu verschwenden. Klar, das kann sie verstehen, hätte sie auch nicht.

Sie quatschten über ihre Hobbys, Ausgehen, Verreisen, Musik … Es war schon fast schwierig, ein Ende zu finden. Doch John hatte noch einen Termin bei seinen Eltern und danach hätte er wieder Zeit. Also verabredeten sie sich ganz spontan für 22:30 Uhr, um sich bei einem Ausflug in eine der Kneipecafés oder Bars in Christines Umgebung näher zu beschnuppern.

Als Christine aufgelegt hatte, war sie ein wenig außer Atem vor Aufregung. Das war jetzt wirklich spontan. Aber warum denn nicht?! Sie hatte noch gut Zeit, den weiteren Abend vorzubereiten.

John ist ein Jeans und Sneaker-Typ. Klar, auch diese Typen stehen auf High Heels, aber da sie womöglich nach der Parkplatz-Suche, bei der sie ihm helfen wollte, noch eine Weile durch die Gegend laufen würden, entschied sich Christine für flache Stiefel. Dazu eine leicht baggy Jeans (einfach auszuziehen, smile) und ein figurbetonendes schwarzes Shirt. Die Haare lagen gut, ihre Wimpern waren eh schon getuscht, so musste sie sich nur noch einmal frisch machen. Dann war noch etwas Puder und Rouge aufzulegen, ein Hauch von Lippenstift und der Gaultier Duft machten es perfekt.

Das Schlafzimmer war aufgeräumt, das Bett eh aufgeschlagen. Sie stellte noch die Box mit den Kondomen bereit und legte „Californication“ in den CD-Player. John steht auf Indy-Mucke, da passt Latin Jazz nicht so. Aber zu den Red Hot Chili Peppers lässt sich auch gut Sex haben.

 

 

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