Online-Dating – John – Ein Date mit eindeutiger Absicht

(Fortsetzung zum Eintrag vom 21.12.2015)

Christine war aufgeregt, so eine eindeutige Verabredung hatte sie noch nie. John wusste zwar nicht genau, wie lange er für die Fahrt zu ihr brauchen würde, doch wie vereinbart klingelte um 22:30 Uhr ihr Handy und er stand mit seinem Auto vor ihrer Tür. Er hatte ihr bereits gesagt, dass er einen dunkelblauer 3er BMW fahren würde.

Als sie aus dem Haus kam, saß John im Auto und hatte die Scheibe runtergekurbelt. Wollte er nicht aussteigen? Nein anscheinend nicht. Er reichte ihr zur Begrüßung die Hand. „Hi. Du hast recht, mit einem Parkplatz sieht es hier schlecht aus.“

John sah recht gut aus, jedenfalls der Kopf, mehr konnte Christine da im Autofenster nicht erkennen. Sie konnte ihn aufgrund der Fotos gut wiedererkennen.

„Na, dann helf ich dir mal bei der Parkplatzsuche.“ sagte Christine, ging auf Beifahrerseite und stieg ein. Das Auto war aufgeräumt, aha, eher ordentlich der Typ. Sie musterte John von der Seite, während er schon mit dem Starten des Wagens beschäftigt war und auf die Straße achtete. Seine Figur passte, schlank, leicht stämmig, so wie auch auf dem Finya-Foto.

Die Parkplatzsuche gestaltete sich schwierig, das Gespräch genauso. Nach 20 Minuten hatten sie immer noch keine Parklücke gefunden. Christine überlegte ernsthaft, ob sie die Sache nicht abbrechen und den Kerl nachhause schicken sollte. Ihre Aufregung hatte sich gelegt, ihr war eher langweilig. Doch da – sie waren zum wiederholten Mal um den Winterfeldtplatz gefahren – parkte ein Wagen aus. John parkte ein und fragte tatsächlich „Steht der Wagen hier auch sicher, werden hier viele Autos aufgebrochen.“ Au weh, dem war sein Auto aber verdammt wichtig. Christine musste sich „Dann bleibst du vielleicht besser im Auto.“ verkneifen und antworte „Ich habe noch nichts gehört, dass hier häufig Autos aufgebrochen werden.“

Im MR. HU war es voll, doch kurz nachdem sie kamen, wurden zwei Plätze an der Bar frei. Christine orderte einen Black Russian. John bestellte ein Bier. Christine wunderte sich, John erklärte, dass er sich mit Cocktails nicht auskennen würde.

Christine suchte Johns Blick, wollte ihm so richtig in die Augen schauen. Das war aber nicht einfach. John schaute sie mal an, mal vorbei. Hm. Rein äußerlich war John schon ihr Typ, auch wenn sonst bestimmt nicht viel passen würde. Dass er aber so gar nicht zum Flirten aufgelegt war, sie nicht berührte, das passte nicht zu dieser Verabredung. Sie unterhielten sich, doch Themen wie Sicherheit in der Stadt, Vorteile von Jahreswagen etc. waren nicht gerade persönlich.

Da John sie sowieso nicht ständig anschaute, ließ Christine ihre Blicke schweifen. Schräg gegenüber saß ein Typ an der Bar, der ein paar freche Blicke rüber schmiss. Als Christine das registrierte musste sie lachen, warf einen direkten Blick zurück. Auch ihm stieg das Lachen sofort ins Gesicht.

Was sollte sie nun mit John machen? Da sprang ja nun gar kein Funken über. Sie hatten fast ausgetrunken und John meinte, sie könnten ja dann langsam zu ihr aufbrechen. Aha, er schien also Gefallen an ihr zu finden. Das wollte sich Christine aber noch einmal bestätigen lassen. Ihr Alter war ein guter Aufhänger. „Also, dann gefalle ich dir, auch wenn ich älter bin?!“ sagte sie in einem fragenden Ton. Auch jetzt schaute ihr John nicht in die Augen, sagte nur „Klar, du bist echt ne Süße.“

Der Barkeeper fragte, ob sie noch etwas bestellen wollten. Auf Johns „Zahlen bitte.“ fragte er – unsinnigerweise, wie Christine fand – „Zusammen oder getrennt?“, was John mit „Getrennt.“ beantwortete. Christine war nicht erstaunt darüber. John zahlte sein Bier und Christine strahlte den Barkeeper an „Ich bleibe noch.“

Auch im dezenten Licht der Bar, war zu erkennen, dass John blass geworden war. Er wandte sich Christine zu „Was heißt, du bleibst noch. Ich dachte, wir gehen jetzt zu dir?“. Wie sollte ihm Christine mal schnell klarmachen, warum nichts aus einer gemeinsamen Nacht werden konnte, ohne ihn zu verletzten? Sie startete „Du gefällst mir ja, so äußerlich. Aber wie gerade du auch heute Nachmittag geschrieben hast, die Chemie muss stimmen. Und die stimmt eben nicht so ganz, da fehlt die Anziehung.“ Mehr musste sie ihm gar nicht sagen, Christine merkte schon, dass John sauer wurde. Aggressiv laut brachte er noch „Und dafür bin ich extra nach Berlin gefahren. Du solltest besser keine solchen Verabredungen treffen.“ raus. Dann drehte er sich schnell um und ging.

Christine atmete auf. Das war fein schnell geschafft. Was sollte sie mit dem Kerl im Bett. Leidenschaftlich wäre das sicherlich nicht geworden.

Sie schaute wieder zum anderen Ende der Bar. Der Platz, wo der Typ vorhin gesessen hatte, war leer. Schade. Dann schaute sie also erstmal die Cocktailkarte. „Darf ich dir einen neuen Cocktail bestellen?“ hörte sie plötzlich nah an ihrem Ohr und konnte den Atem dazu spüren. Sie drehte den Kopf und sah direkt in die Augen von dem Typen von vorhin. Sie kam gar nicht dazu „ja gerne“ zu sagen, da redete er schon weiter „da hast du ja jemanden ziemlich wütend gemacht, wie ich sehen konnte“.

Christine strahlte ihn an „Ich bin Chrissie, nehm gern noch einem Drink, was trinkst du da?“. Florian setzte sich neben sie. „Ich bin Flo, Mai-Tai.“ Mai-Tai war nichts für Christine. „Dann nehm ich noch einem Black Russian“. Während Florian versuchte, die Aufmerksamkeit des Barkeepers zu erlangen, konnte Christina Florian genauer betrachten. Der wirkte ganz schön jung, wenn der überhaupt dreißig war. Der Körper schien sportlich gestählt, am Arm lugte ein Tattoo unter dem T-Shirt hervor. Kurze dunkle Haare, die stahlblauen Augen waren ihr eben schon aufgefallen. Kein Bart und volle Lippen. Ein Brustwarzen-Piercing schien er auch zu haben, da zeichnete sich etwas unter seinem T-Shirt ab.

Und es knisterte, sie konnte die Spannung zwischen ihnen beiden spüren. So musste ein spontanes Date anfangen!

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