Es gibt auch noch andere Männer

Montagabend waren Tanja und Ela in der Gainsbourg-Bar. Ein alter Freund von Ela hatte mit seiner Firma irgendwas zu feiern und sie mit Begleitung eingeladen. Da Elas Freund üblicherweise für solche Events nicht zu haben ist, hat sie Tanja mitgenommen.

Als sie gegen halb neun eintrafen, schienen sie schon ziemlich die letzten zu sein. Anscheinend geht man zu solchen Einladungen besser etwas pünktlicher, und anscheinend auch ein wenig gestylter. Mit ihren Jeans und warmen Stiefeln waren sie schon etwas underdressed. Immerhin hatten sie ausgehtaugliche enge schwarze Oberteile an.

Sie sagten dem Gastgeber „Hallo“, standen mit ihren Drinks eine Weile in dessen Nähe rum und begaben sich dann zum Buffet. Sie hätten doch etwas eher kommen sollen, das Buffet sah schon ziemlich geräubert aus. Aber ein paar leckere Sachen gab es noch. Dass sie keine weiteren Leute kannten, störte sie nicht so, denn sie hatten sich schon wieder ein paar Tage nicht gesehen und viel zu bequatschen, speziell Tanjas Dating-Desaster.

Nach dem Essen mussten neue Drinks her und so gingen sie zur Bar. Ein Typ fragte – eigentlich überflüssigerweise – ob er ihnen etwas bestellen dürfe. Aber er durfte, auch wenn sie das selbst gekonnt hätten, die Getränke waren ja eh frei. Mit ihm und seinem Freund kamen sie dann ins Gespräch. Der übliche Small-Talk, woher sie den Gastgeber kennen würden etc. Sein Freund, Bernd, wie er sich vorstellte, war mehr daran interessiert, sich mit Tanja zu unterhalten. Das passte gut, denn er selbst unterhielt sich lebhaft mit Ela.

Ela stupste Tanja an. Es war inzwischen elf, ihr Freund war da, um sie abzuholen. Also musste sich Tanja schnell von Bernd verabschieden. Sie drückte ihm eine Visitenkarte in die Hand „wär schön, wenn du dich mal meldest“. Dann gab es noch eben das übliche Abschieds-Bussi-Bussi.

Noch in derselben Nacht erhielt Tanja eine E-Mail von ihm, auch wenn sie nur ein Smile und seine Handynummer enthielt. Das war wohl ein Blackberry-Nutzer. Die Webpage aus seiner E-Mail-Adresse musste Tanja am nächsten Tag erst einmal googeln. Aha, er hat eine eigene Firma, macht wohl was mit Webdesign und so, interessant! Sie wusste ja nichts über Bernd. Sie hatten sich nur über die verschiedenen Bars und die Jazz-Szene unterhalten.

Tanja antwortete ihm am Montagabend auch per E-Mail:

„Hi,

du warst ja anscheinend noch etwas länger unterwegs. Als deine Mail kam, hab ich schon längst geschlafen.

Deine E-Mail-Adresse weckt Interesse. Bin gespannt, mehr über dich zu erfahren.

Lieben Gruß

Tanja!“

Seine Antwort kam ein paar Stunden später:

„Ja, schade, dass du so früh gegangen bist, ich hätt gerne noch ein wenig gequatscht, mit dir.

Interessierst du dich für Kunst? Ich schick dir hier mal einen Link zu einem Projekt von mir.“

Tanja hatte die Mail nur auf dem Handy gelesen, da sie unterwegs war, und wollte darüber nicht auf den Link zugreifen.

Lust zu antworten hatte sie aber schon:

„Na klar,

ich geh morgen auf eine Finissage, magst du vielleicht mitkommen?“

Ela war noch nicht sicher, ob sie mitkommen konnte und da wäre es cool, wenn sie mit Bernd gehen könnte.

Bernd antworte „Sorry, Liebelein, ich bin Dienstag noch eben auf einem Projekt in Hamburg, frühestens Mittwochabend wieder für dich verfügbar.“

Na, das war doch eine süß verpackte Absage.

Auch wenn Bernd so gar nicht in ihr Beuteschema passt, tut Tanja seine Aufmerksamkeit gerade echt gut. Sie war gerade ein wenig unsicher, ob es so einfach sein würde einen neuen Partner zu finden. Immerhin war sie inzwischen 51 und manchmal fühlte sie sich schon fast ein wenig unsichtbar.

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