Aus Andreas wird Andrea

Eine whatsapp von Andreas. Seit drei, vier Jahren das erste Lebenszeichen wieder. Ich hätte mich zwischenzeitlich aber auch bei ihm melden können. Hab ich vielleicht auch. Ich weiß es nicht mehr so genau. Müsste vielleicht dafür meine E-Mails cheken. Aber wenn ich keine Antwort bekommen hab, dann hab ich die Mail eh gelöscht.

Andreas und ich kennen uns seit etwa 20 Jahren. Damals waren wir sehr gute Freunde. Ich weiß noch, ich habe ihm die langen Haare in eine bundeswehrtaugliche Frisur ändern müssen. Im Nacken kurz, die Ohren frei, ansonsten so lang wie möglich. Im Fotoalbum klebt bestimmt ein Foto davon. Wir waren damals sehr gute Freunde, Andreas hat für uns gearbeitet. Wir haben auch sonst viel Zeit miteinander verbracht, waren Skaten, auch mal im Urlaub und so. Zuletzt haben wir uns vor etwa fünf Jahren gesehen. Da hatte Andreas geschäftlich in Berlin zu tun, da bot es sich an, abends gemeinsam essenzugehen.

„Hab jetzt auch seit ner Weile whatsapp und da hab ich heut mal geschaut, wer sonst noch so dabei ist. Du. Liebe Grüße. Andrea.“

Ich schreibe zurück „Gruß aus Sri Lanka. Was gibt’s Neues?“

„Nichts, außer dass ich jetzt weiblich bin und nicht mehr männlich. Hat sich aber bestimmt schon rumgesprochen.“

Ich war in der ersten Nachricht schon über ANDREA gestolpert, hatte es aber für einen Tippfehler oder eine automatische Wortanpassung gehalten. „???“ Ich bin verwirrt.

„Noch nicht gehört? Im Ausweis steht jetzt seit einem halben Jahr ANDREA und ein F. Seit 2 Jahren Hormonersatztherapie, letztes Jahr Gesichts-Op. Jetzt gerade dabei, die Brüste machen zu lassen. Und im Juni Thailand für genitialangleichende OP. 2017 dann evtl. Stimmband-OP.“ „Geschockt?“

Nein, ich hatte noch nichts gehört. Zur alten Clique hatte ich seit meiner Scheidung fast keinen Kontakt mehr. Dann fiel mir ein, dass Andreas bereits vor einer Weile per E-Mail oder so ein Foto seines neuen Persos geschickt hatte. Soweit ich es richtig in Erinnerung habe, muss der Text „Jetzt ist’s amtlich!“, versehen mit einem Smiley gewesen sein. Ich hatte das für ein behördliches Versehen oder einen Scherz gehalten. Geantwortet hab ich wohl nicht, ich weiß es aber nicht mehr genau.

Ich schaue mir Andreas Profilbild an. Tatsächlich weibliche Züge und deutlich mehr Haare. Auf lange Haare stand Andreas ja schon immer. Dann bekomme ich einen Ausschnitt vom Perso mit Foto und dem weiblichen Namen etc. geschickt. … und noch ein Foto mit einer Freundin in der „Busche“, was auch immer das sein mag. Tatsächlich sehr feminin und wohl auch deutlich schlanker.

Ich bin ganz schön durcheinander. „Geschockt? Nee, eher erstaunt. Immerhin hatten wir mal was miteinander.“ „Wann hast du gemerkt, dass du das willst?“

„Mit sechs Jahren gemerkt, dass was anders ist. Und nie getraut.“

„Und wann dann?“

„Vor 2,5 Jahren ging es nicht mehr, das Versteckspiel.“

Oh, das muss echt krass sein. Immerhin ist Andreas mit Constanze verheiratet. Mit ihr kam er damals vor etwa 18 Jahren zusammen, direkt nach unserer kurzen Affäre. Eine sehr kurze Affäre. Geknistert hatte es schon länger. Ich war verheiratet, sexuell verdammt unzufrieden. Er mit unserer Mitarbeiterin, seiner Kollegin Mandy zusammen. Andreas war mit Constanze und noch ein paar weiteren Leuten zum Surfen in Biarritz. Mandy und ich kamen nach. Ein chaotischer Sommer! Mit dieser Vorgeschichte wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, Andreas würde sich als Frau wohler fühlen.

Er schreibt weiter „Ich denke aber, du hast geahnt, dass bei mir etwas anders ist. Oder nicht? Du kanntest mich sehr gut.“

Wie sollte ich damals darauf kommen? Er war der süße Surfer-Sunny-Boy und soo sexy. Das fand Mandy, das fand ich und Constanze dann auch noch. Und wer weiß, vielleicht auch noch andere. Andreas schien kein Kostverächter zu sein.

„Nee, sorry. Nichts gemerkt! Hab mich nur extrem gewundert, dass du so zugenommen hattest. Das passte so gar nicht zu dir.“

Als wir uns vor ca. fünf Jahren gesehen hatten, hatte Andreas mit dem Sunny-Boy nix mehr gemeinsam, deutlich über 100 kg, ich war erschrocken. Er schob es auf seine Ehe. Constanze hatte schon in der 1. Schwangerschaft heftig zugelegt und in der 2. noch mehr. Auch sie hatte die 100 kg-Marke bereits geknackt. Außerdem bat mich Andreas damals um einige Alibis, um seine damalige Affäre zu vertuschen. Na, das machte ich doch gerne – nach unserer gemeinsamen Vorgeschichte.

„Wie kommen denn Conny und die Jungs damit klar? Machste immer noch denselben Job? Haste schon nen Partner? Biste happy oder ist’s sehr schwer?“ Verdammt, das waren viel zu viele Fragen auf einmal. Dazu sollten wir besser telefonieren. Das ist allerdings gerade schlecht, da ich in Asien im Urlaub bin.

„Ich schreibe nachher weiter. Bin gerade im Krankenhaus und muss mich zwischen C- und D-Größe entscheiden.“

Ich musste schmunzeln, Frauenthemen! „Zu viel ist lästig und unbequem sag ich dir.“

„Hihi. Muss ja irgendwie vom Gesicht ablenken. Ich weiß, ich habe z. Zt. Expander drin und die werden Stück für Stück befüllt. Deshalb kenn ich das schon. Habe gerade noch nicht ganz C.“

Oh, das tut bestimmt weh, wie bei uns echten Mädels damals in der Pubertät. Aber schön, wenn man auch in diesem Fall ein langsames Wachstum merkt.

„Aber Schultern sind halt breit, da braucht es schon einen Ausgleich. Nicht einfach!“

„Mit Silikon gefüllt, gibt es immerhin keinen Hängenden.“ Autsch, was hatte mein Handy da wortgewandelt! Ich muss lachen. Damals in Biarritz am Strand hatten Andres und ich dann die Vögelei dann doch nicht vollzogen. Ich erinnere mich nicht mehr 100%ig. Wir lagen im seichten Wasser, irgendwie war es zu sandig. Dadurch gab es Probleme mit dem Gummi. Wobei der Sand sicher sowieso gestört hätte. Letztendlich konnte Andreas aber dann auch seine Erektion nicht mehr halten. Wir waren recht angeschickert und haben viel gelacht. Ich schicke „Meinte Hängebusen.“ und ein „Toi-toi-toi!“ hinterher.

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