Karneval – Altweiber

Mona hatte Tanja vor ein paar Wochen überredet, sie doch zu Fasching, ach nein, das heißt ja Karneval, in Düsseldorf zu besuchen. Den Rosenmontagszug zu gucken, sei nicht so wichtig, aber am Altweiber-Donnerstag sollte Tanja auf jeden Fall dabei sein. Günstige Flüge für Donnerstag und Montag-Vormittag waren zu kriegen, also gönnt sich Tanja ungewöhnlicherweise mal eine paar Party-Urlaubstage.

Da in Berlin ja üblicherweise nicht Fasching gefeiert wird, hat Tanja natürlich keine Kostüme. Mona würde ihr vielleicht etwas für den Straßenkarneval leihen können, was sie einfach über ihre Klamotten ziehen konnte. In ihrem Kleiderschrank fand Tanja dann aber doch noch eine alte bunt gemusterte Bell-Bottom-Hose und ein Oberteil mit Fledermaus-Ärmeln, was zusammen mit einem bunten Stirnband ein einfaches Hippie-Outfit abgab, das würde sicher für den Donnerstag gehen.

Mona hatte gesagt, sie würden am Donnerstag teils drinnen und teils draußen sein, eine dicke warme Altstadt-Jacke, so wie sie sie nannte, würde sie Tanja leihen können. Eine Altstadt-Jacke ist eine eigentlich ausgemusterte alte Jacke, bei der es nicht schade ist, wenn sie abhandenkommt. Das kann nämlich passieren, da die Lokale meist keine Garderobe haben.

Auf die Party am Samstag würde Tanja ihr Dirndl anziehen. Das hatte sie sich vor zwei Jahren fürs Oktoberfest in München gekauft, es aber bis dato nicht geschafft, dort hinzufahren.

Nachdem ihr Flieger gelandet war und sie ihr Gepäck hatte, nimmt Tanja die S-Bahn Richtung City. Je näher die Bahn Richtung City kommt, umso mehr verkleidete Leute steigen ein. Einige scheinen auch schon angetrunken zu sein, eine ungewohnte Atmosphäre. Mona kommt direkt aus dem Büro und holt Tanja am S-Bahnhof ab. Bei ihr daheim gibt es dann Pfannkuchen, was die Düsseldorfer Berliner nennen und was wohl typisch für Fasching, äh Karneval ist. Dazu gibt es – wie anscheinend auch bei den Düsseldorfer Mädels üblich – Mumm extra dry.

Sie werden alleine losziehen, die Freundinnen von Mona müssen entweder arbeiten oder sind in Köln unterwegs. In gemischter Runde, also mit Männern zieht man Altweiber nicht los, lernt Tanja. Und es sei absolut üblich zu küssen. „Wie küssen, knutschen?“ fragt Tanja. Mona erklärt ihr, dass kurze Schmatzer, auch auf den Mund, absolut üblich sein. Knutschen täte man nur in den seltensten Fällen und mehr als das üblicherweise gar nicht. Die meisten Männer wie auch Frauen, die unterwegs seien, wären gebunden, u. U. auch verheiratet. Flirten und Bützen, ein anderer Begriff für dieses Küssen, sei erlaubt oder zumindest toleriert, aber eben mehr nicht. Tanja sollte einfach gar keinen Kerl ernst nehmen, Telefonnummern würde man auch nicht tauschen.

Tanja ist gespannt, was sie erwarten wird. Wie ausgelassen sind die Düsseldorfer wirklich?

Mona findet ihr Hippie-Outfit ganz passend. Mit Monas ausgemusterter bunten Ski- Jacke drüber ist es auch sicher warm genug und sieht es auch noch ganz witzig aus. Monas große pinkfarbene Pseudo-Sonnenbrille schlägt Tanja aber als Ergänzung aus, die würde ihr sicherlich beim Tanzen lästig werden. Mona selbst hatte sich noch nicht so wirklich entschieden, was sie anziehen würde. Sie zeigt Tanja ihren Kostümfundus, der ganz schön umfangreich ist. Letztendlich entscheidet sie sich für ein Rokoko-Outfit mit relativ leichtem Oberteil aber langem recht warmen Rock. Die passende weiße Perücke kommentiertesie mit „dann brauche ich wenigstens keine Mütze, ist kalt draußen“.

Nach zwei Gläsern Sekt für jede und noch einmal Präventiv-Pinkeln ziehen sie los. Zwei Prosecco-Dosen für unterwegs haben sie noch dabei. Sie haben Glück, die Straßenbahn kommt gleich und es sind auch nur ein paar wenige Stationen bis in die Altstadt. Mona erklärt Tanja, dass sie etwas spät dran seien und in die angesagtesten Locations nicht mehr rein kommen würden. Und zwei Stunden Anstehen, würde sie sich sparen wollen. Sie schlägt vor, zum Rathaus zu gehen.

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