Karneval – Altweiber, die 2.

(Fortsetzung zum Eintrag vom 4. Februar 2016)

Teilweise müssen Tanja und Mona sich ihren Weg durch die Massen von kostümierten Leuten schon fast erkämpfen und aufpassen, dass sie sich nicht verlieren. Die Schirme erleichtern die Angelegenheit nicht gerade. Tanja und Mona haben keinen Schirm dabei, ihre Jacken haben Kapuzen. Mit so vielen Menschen hat Tanja nicht gerechnet, besonders, da sie ja erst auf dem Weg zum Rathaus, noch gar nicht da sind. Allerdings gibt es auch dort in der Fußgängerzone schon überall Musik, hier und da wird getanzt. Auf dem Platz vor dem Rathaus dröhnen dann Karnevalslieder und andere Partysongs aus den Boxen. Tanja ist fasziniert von den ganzen Kostümen. Ansonsten fehlt ihr aber auch ein wenig die ausgelassene Stimmung, die Mona ihr geschildert hatte. Es ist eher wie in einer Open Air Disko, abgesehen von hier und da Gegröhle und der leider etwas zu leisen Musik.

Monas Erwartung entspricht das auch nicht, zu wenig Stimmung, die Leute zu jung (ja, tendenziell eher Richtung Teenie-Alter). Sie sagt, sie sollten besser das UERIGE, eine Brauhaus-Kneipe versuchen. Da seien üblicherweise keine Kids, die Stimmung sei sicher besser und wärmer sei es auch. Mona hat es gar nicht erwartet und ist entsprechend happy, dass sie nicht anstehen müssen. Voll ist es aber trotzdem. Mona voran wühlen sie sich durch die Leute Richtung Party-Raum. Mona muss stehenbleiben, kommt nicht mehr weiter. Ein Kellner (die heißen wohl Köbes ) rollt ein großes Bierfass vor sich her. Er will anscheinend in dieselbe Richtung wie die beiden und so bahnt er ihnen mit seinem Fass den Weg.

Warm ist es wirklich. Spätestens jetzt wird Tanja klar, warum es wichtig ist, eine Altstadt-Jacke zu haben. An den Wänden gibt es zwar Haken für Jacken, aber die quellen eh schon über. In einer Ecke gibt es eine Bank mit einem Tisch davor, auch hier stapeln sich schon Jacken und Mäntel. Mona wirft ihre einfach dazu, Tanja tut es hier gleich.

Mona meint, sie sollten mal gucken, wo vielleicht ein paar nette Männer seien und sich einfach dazu gesellen. Sie schaut sich um und hat auch gleich an einem Stehtisch drei Männer um die Fünfzig entdeckt, die ganz sympathisch und noch nicht zu betrunken wirken. Mit Tanja im Schlepptau drängelt sich Mona durch die Menge und bleibt genau neben den Männern stehen. Es dauert keine Minute, da hat Mona schon den Arm von dem einen auf ihrer Schulter und sie singen gemeinsam das gerade laufende Karnevalslied mit.

Tanja hat ein wenig Schwierigkeiten mit dem Text, ist das alter Düsseldorfer oder Kölner Dialekt? Sie lässt ihren Blick schweifen und bleibt in den Augen eines viel zu großen Piraten hängen. Er lächelt sie an, kommt dann zu ihr rüber. Er nimmt sie an der Hand und beginnt mit ihr so eine Art Disco-Fox zu tanzen. Der Pirat sieht Tanja tief in die Augen und singt dabei den Text von dem alten schnulzigen Schlager mit, der gerade läuft. Aha, so ging das also. Was für ein Tempo! Sind die Düsseldorfer immer so schnell dabei oder liegt das am Karneval? Das muss sie Mona bei Gelegenheit mal fragen

Der Pirat ist viel zu groß für Tanja, sicher über 1,90 und er ist bestimmt auch noch keine vierzig, aber er ist echt süß und smart. Aber auch wenn er 30 cm größer ist, geht das Tanzen mit ihm prima, er kann auch richtig gut führen. Sie singen die Texte mit, schauen sich in die Augen und schmachten sich zu den teils schnulzigen Texten leicht übertrieben an. Irgendwann beugt er sich zu Tanja runter und drückt ihr diesen „erlaubten“ Kuss auf die Lippen. Danach sage er, mit einem tiefen Blick in Tanjas Augen „warum muss ich auch gerade so eine Süße hier treffen?!“ Sie schwofen noch ein paar Lieder zusammen, dann verabschiedet er sich. Er müsse mal wieder nach seinen Leuten schauen, die seien noch draußen „bis später…“. Na, das ist ja schon mal ein netter Auftakt.

Jetzt kann sich Tanja wieder zu Mona und ihren Jungs gesellen. Mona scheint echt Spaß mit denen zu haben. Der Kellner/Köbes kommt auch gerade mit einem Riesen-Tablett voller Altbiergläser vorbei und Tanja bekommt von einem der Jungs auch gleich ein Glas mit in die Hand gedrückt. Anstoßen und Trinken, na besonders lecker ist das nicht. Tanja mag eh nicht gern Bier und Altbier ist eben auch Bier. Zum Glück sind es nur 0,2l-Gläser und richtig voll sind die auch nicht, viel Schaum. Und es fällt auch keinem groß auf, wenn man das halbvolle Glas dann auf dem Stehtisch, auf dem eh schon viele nicht ganz leere Gläser stehen, stehen lässt.

Es sind Holländer, die Tanja da aufgetan hatte. Sie haben echt nette zwei Stunden mit den Dreien, haben viel rumgealbert, getanzt, getobt, mitgesungen. Dem Matrosen scheint Tanja es ein wenig angetan zu haben. Ihm ist sogar aufgefallen, dass sie die Biere stehen lässt und er fragt in recht gutem Deutsch, ob sie lieber ein Wasser wolle. Er will wissen, wie sie heißt, woher sie kommt etc. Dann fragt er, wie lang sie in Düsseldorf bleiben würde und ob man sich man sich ja Sonntag oder so noch mal treffen könne. Er wohnt nicht weit weg, kurz über die Grenze. Also tauschen sie Handy-Nummern, als er und seine Freunde weiterziehen wollen. Die Holländer hätten die beiden gerne mitgenommen, aber Mona meint, es wäre keine gute Idee mit nach … (Tanja hat es vergessen, irgendwas irgendwo auf der anderen Rheinseite weiter draußen) zu gehen, das Taxi zurück wäre immens teuer.

Zum Abschied bekommt Tanja noch den üblichen Kuss. Es ist kein hingehuschter Schmatzer, dieser hat etwas von Zärtlichkeit. Und das, obwohl der Matrose einen schmalen goldenen Ring am Finger trägt.

Kaum sind die Holländer weg, hat Mona schon neue Unterhaltung. Und Tanjas karibischer Pirat taucht auch wieder auf. Er kommt wie selbstverständlich mit einem Lächeln auf Tanja zu, nimmt sie in den Arm und ihre Hand und tanzt mit ihr. Er hat zufällig genau wieder die Phase mit den schnulzigen Liebesliedern erwischt und schmachtet sie an. Er beugt sich oft runter zu Tanja, geht sogar mal in die Knie, das ist echt süß. Reden tun sie fast gar nicht, singen sich nur ständig an. Dann gibt es wieder einen Kuss, und noch einen, und … Tanja hat die kleinen Küsse nicht gezählt, aber irgendwann ging der Pirat dann doch auf Knutschen über. Das war auch das, wonach Tanja gerade war, nicht mehr und nicht weniger.

Nach einer Weile meldete sich Mona wieder. Sie war – nun nach fast fünf Stunden – doch etwas k.o. und würde gerne bald hei fahren. Tanja ging es ähnlich, von der ganzen Tanzerei und Toberei war sie auch etwas erschöpft und am nächsten Tag würde ich sicher heiser sein. Einen Tanz noch mit dem Piraten, dann verabschiedete sich Tanja mit einem langen Kuss … Sie wusste noch nicht einmal seinen Namen. Er war einfach nur der Pirat von der Black Pearl.

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