Karneval – Ein unmoralisches Angebot

(Fortsetzung zum Eintrag vom 6. Februar 2016)

Eine kleine Affäre wäre genau das Richtige für Tanja. Ja, aber das?!?!

Samstagnachmittag haben Tanja und Mona mit zwei Freundinnen von Mona erst einmal vorgeglüht, natürlich wieder mit Aperol Sprizz. Damit der zu erwartende Alkohol auf ihrem Zug über die Ratinger Straße (das ist wohl in der Nähe der Altstadt) sie nicht umwerfen wird, gibt es dazu dann einfach mal Wagner-Pizzen und -Flammkuchen. Sie treffen sich schon um 14 Uhr, dann haben sie etwa drei Stunden, um sich zu verkleiden und aufzubrezeln. Es gibt eine Rokoko-Lady, ein Manga-Girl, Aschenputtel und Tanja als bayerisches Madl. Mona verpasst ihr sogar noch eine schöne passende Flechtfrisur zu ihrem original bayerischen Dirndl.

Das Dirndl hatte sich Tanja vor fast zwei Jahren in München gekauft, als sie eine Freundin besuchte. Die beiden kamen auf den Gedanken, dass Tanja im September wieder nach München kommen solle, damit sie dann zusammen auf das Oktoberfest gehen könnten. Es war nicht einfach, ein passendes zu finden, die Dirndl waren alle so unterschiedlich geschnitten. Tanja denkt, es war das 17. oder so, was sie dann genommen hatte, es war knielang. Dazu noch Bluse, Dirnd-BH (mega push-up), Unterrock, Schürze, Brustkorbkordel (das heißt sicher nicht so), Schuhe und Handtasche. Das volle Programm eben, schon chic. Über zwei Stunden waren sie in dem Laden.

Die vier fahren mit dem Taxi zur Ratinger Straße. Das ist von Mona aus genauso teuer wie vier ÖPNV-Tickets, erfährt Tanja. Der Taxifahrer freute sich über die leicht angeschickerten Mädels. Boah, was waren wieder viele Menschen unterwegs, alle kostümiert, viele Piloten und Polizisten, das ist auffällig! Vor den Brauerei-Kneipen hängen Menschentrauben. Ach, eigentlich ist die ganze Straße voller Menschen, obwohl es keine Fußgängerzone ist.

Sie stellen sich dann vor der UEHL, die gleich aufmachen wird an. Die UEHL öffnet pünktlich um 18 Uhr und kurz darauf sind sie auch drin. Drinnen wird es schnell voll und alle schon in Party-Stimmung. Mona erklärt, dass es die einzige Kneipe auf der Ratinger Straße ist, die nicht schon mittags öffnet. Bei den anderen Kneipen muss man sicherlich eher zwei Stunden anstehen, denn es kommt nur einer rein, wenn andere gehen. „Man muss sich hier mit Karneval schon auskennen, sonst steht man den Abend auf der Straße, anstatt zu feiern.“ denkt Tanja.

Karnevalsmucke, deutsche Schlager etc. werden gespielt. Sie entdecken einen Stehtisch mit ein paar netten Männern und gesellen sich dazu. Die Jacken landen wieder in irgendeiner Ecke auf der Bank. Es ist wie Donnerstag auch, es dauert nicht lang, da haben sie ein Altbier in der Hand. Das schmeckt genau so übel, wie im UERIGE, obwohl es ja wohl  in der UEHL von einer anderen Brauerei ist.

Das Flirtpotenzial ist hoch und schnell befindet  sich Tanja im Arm von einem netten Mittvierziger. Irgendwann gesellt sich ein französisches Pärchen zu ihnen, er Pirat und sie eine Art Piratenbraut, allerdings ohne Hut, dafür mit mega Dekolleté. Er ist bestimmt  Mitte fünfzig, sie vielleicht zehn-fünfzehn Jahre jünger. Sie kann kein Deutsch und Tanja kein Französisch, doch sie kommen schnell auf Englisch ins Gespräch. Das Paar ist nur für den Karneval nach Düsseldorf gekommen, das machen sie seit ein paar Jahren. Sie fragt Tanja, was sie trinken will und ist etwas erstaunt über ihren Wunsch nach Wasser. Tanja ist erstaunt, dass sie von einer Frau eingeladen wird.

In den Brauhäusern kann man auch eigentlich nur Altbier oder Wasser bestellen, alles andere ist zu Karnevalszeiten zu kompliziert. Die Kellner drängeln sich einfach mit gefüllten Tabletts mit hauptsächlich Altbiergläsern und ein paar Mineralwassern durch die Menge.

Der französische Pirat tanzt mal mit seiner Piratenbraut, mal mit einer Freundin von Mona und dann holte er sich Tanja zum Tanzen. Nach dem Tanz gibt er ihr einen Kuss auf den Mund. Heh, was soll das? Er ist doch mit seiner Frau da! Tanja fragt ihn auf Englisch, was das nun solle, er sei doch mit seiner Frau da. Er guckt Tanja fragend an, also wiederholt sie die Frage auf Deutsch. Er antwortete in recht gutem Deutsch „Das ist meine Freundin, das ist in Ordnung.“ Aha, na wenn er meint. Der Pirat ist nicht so wirklich Tanjas Typ, wirkt zu blass und streng, irgendwie wie ein Beamter.

Tanja schäkert und tanzt weiter mit den anderen Männern an ihrem Tisch. Dann gesellt sie sich mal wieder zu der Französin. Tanja fragt sie, wie es ihr gefällt, hält ein wenig den üblichen Karnevals-Small-Talk. Mona und ihre Freundinnen haben auch so richtig Spaß. Da haben sie sich wirklich einen guten Stehtisch bzw. gute Gesellschaft ausgesucht. Tanja bekommt auch mal wieder ein Altbier in die Hand gedrückt, nippt einfach nur dran und stellt es dann ab. Irgendwie scheinen sich die Franzosen gut in unsere Gruppe einzufügen. Die Französin tanzt auch mal mit den anderen Männern.

Dann will der französische Pirat wieder mit Tanja tanzen. Drückt ihr zwischendurch auch mal wieder einen Kuss auf den Mund und erzählt ihr dann, dass er mit seiner Freundin ein schönes Appartement in der Altstadt gemietet hätte. Tanja hat ihn erst nicht richtig verstanden, weil es so laut war, muss noch einmal nachfragen. Ja, ein schönes Appartement mit einem großen Bett. Er und seine Freundin würden sich freuen, wenn sie nachher mit zu ihnen kommen und über Nacht bleiben würde.

Erst ist Tanja sprachlos, doch dann dankt sie ihm lächelnd für das Angebot. Sie würde sich darüber freuen, doch das wäre für sie nicht möglich. Ihr Freund würde erwarten, dass sie irgendwann nachhause kommen würde. Das ist eine kleine Ausrede, aber ein Dreier mit den beiden ist für Tanja wirklich kein Thema!

Das muss sie gleich mal Mona erzählen. Mona findet es genau so unglaublich wie sie. Die beiden kommen aus dem Lachen fast nicht mehr raus.

Die Franzosen bleiben noch eine Weile und verhalten sich weiterhin ganz normal, so wie vorher auch. Sie tanzt auch weiter mit den anderen Männern und er auch noch einmal mit Tanja. Peinliche Situationen gibt es keine. Irgendwann verabschiedeten sie sich, sie wie auch er mit dem französischen Bussi-Bussi-Bussi. Nicht nur Bussi-Bussi wie in Deutschland üblich. Tanja wünscht dem Piraten lächelnd noch eine erfolgreiche Nacht. Sie weiß aber nicht, ob sein Deutsch gut genug ist, dass er das versteht.

Die Mädels lassen die Nacht nicht gar so alt werden und fahren gegen Mitternacht mit dem Taxi heim, fast sechs Stunden feiern sind genug. Mona ist ganz schön angeschickert, Tanja nur erschöpft vom vielen Tanzen. Auf dem Heimweg kichern sie noch einmal über die Franzosen. Tanja fand sie, bzw. ihn ganz schön mutig. Sie fragt Mona, warum die beiden wohl ausgerechnet sie gewählt hatten. Mona lachte „Na klar dich! Mit dem Dirndl bist du einfach echt sexy und du hast sowieso eine offene und positive Ausstrahlung, die kommt doch sowieso bei den Männern gut an.“ Ach so. Gerade über das letzte Statement freut sich Tanja sehr.

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