Karneval – Rote Lippen soll man küssen

(Fortsetzung zum Eintrag vom 8. Februar 2016)

Düsseldorf ist schon anders als Berlin, denkt Tanja. Aber Mona sagt, das sei nur im Karneval so.

Sonntag gehen Tanja und Mona am Nachmittag auf den Straßenkarneval auf die Kö. Dort sieht man die Leute in wärmeren Kostümen, wie z. B. Eisbären und auch andere pelzige Tiere. Tanja hat von Mona ein altertümliches Gewand bekommen, was ihr natürlich zu groß ist, so dass sie darunter Jeans und Fleece-Pulli anziehen kann. Mona selbst ist ähnlich angezogen.

Sie haben Prosecco in Dosen mitgenommen und sich ein Plätzchen gesucht, wo Musik läuft, so dass sie auch tanzen können. Trotz des recht milden Wetters, ist es doch irgendwann zu kalt, so dass sie erst einmal nachhause gehen. Und so richtig spannend ist es ja auch nicht gewesen, es fehlten die Flirtmöglichkeiten, waren zu viele Familien und auch Paare unterwegs.

Abends gehen sie dann auf eine Party, die ein paar Bekannte von Mona organisiert haben und die in einem Nebenraum einer Kneipe stattfindet. Facebook ist ein guter Multiplikator, so dass auch bestimmt  50 Leute oder sogar mehr gekommen sind. Prima Party-Stimmung, die Leute haben das richtige Alter, ein guter Mix zwischen vielleicht Mitte 30 und Mitte 50. Es läuft auch nicht nur die typische Karnevalsmukke, sondern einfach gute alte (und neue) Party-Musik. Trotzdem gibt es auch mal eine Polonaise und man tanzt nicht nur für sich, sondern mehr miteinander. Tanja trägt wieder ihr Hippie-Outfit und auch Mona hat sich ähnlich gestylt.

Der Flirtfaktor ist hoch und irgendwann kommt Tanja der echt süße Schwarze, dem sie schon ein paar Blicke rüber geschmissen hat, auf der Tanzfläche näher. Sie tanzen und himmeln sich an, bis Mona sich meldet. Sie hatten nämlich noch nichts gegessen und vorher schon besprochen, dass sie zwischendurch mal auf ein paar Pommes nach nebenan gehen. Tanja verschwindet also, ohne sich von dem Schwarzen zu verabschieden. Es ist ja nicht so, dass Tanja auf Schwarze steht. Nein, sie hatte noch nie Kontakt zu einem, aber irgendwie findet sie das gerade ziemlich spannend.

Als sie zurückkommen holen sie sich erst einmal wieder zwei Prosecco. Yeah, auf dieser Party gibt es nicht nur Altbier! Das führt allerdings dazu, dass die beiden immer angeschickerter werden.

Sie stürzen sich wieder ins Gewühl auf der Tanzfläche. Es ist auch nicht so voll wie in den Brauhäusern, sie können so richtig show-like tanzen und haben verdammt viel Spaß dabei. Der Schwarze hat Tanja anscheinend vermisst. Kaum hat er sie entdeckt, ist er wieder neben ihr.

Tanja gefällt es, mit ihm zu schwofen, der Körperkontakt nimmt dabei immer mehr zu. Er fragte sie in gebrochenem Deutsch, ob er sie küssen darf. Sie grinst ihn nur an und so tut er es einfach. So volle und weiche Lippen hat Tanja noch nie geküsst.

Tanja will nun aber nicht die ganze Zeit mit dem Kerl knutschen, ihr ist einfach nach ausgelassen Feiern zumute. So gesellt sie sich wieder zu Mona, um sich mit ihr zusammen beim Tanzen auszutoben. Zwei Jahre Zumba sind ein gutes Training dafür. Der Schwarze ist aber auch bald wieder da. Er nimmt Tanja in den Arm, küsst sie und versucht ihr etwas zu erzählen, das sie bei der Lautstärke kaum versteht. Sie kann es sich auch nicht zusammenreimen kann, da er ja nicht so gut Deutsch spricht. Tanja nimmt ihn bei der Hand und zieht ihn mit nach draußen vor die Tür.

Als erstes fragt sie, ob er Englisch spricht. Nein, tut er nicht, nur Spanisch, er ist aus Kuba. Er ist seit zwei Jahren in Deutschland und hat noch nicht so einen umfangreichen Wortschatz. Er scheint sich von seiner Freundin getrennt zu haben – wenn Tanja das dann richtig verstanden hat. Was sie auf jeden Fall richtig verstanden hat, ist, dass er gerne die Nacht mit ihr bei ihr verbringen würde. „Nein, auf keinen Fall!“ Tanja mimt Entrüstung, obwohl sie innerlich grinst.  Sie begründet es nicht, gibt ihm noch einmal einen Kuss und lässt ihn dann stehen. Danach lässt er sich auch nicht wieder in ihrer Nähe blicken.

Nee, mal eben so eine Nacht mit einem Kubaner, no way! Das ist ihr dann doch zu fremd, zu exotisch oder was auch immer! Ganz abgesehen davon, dass sie ja in dieser Nacht wieder das Bett mit Mona teilen wird, bei der sie zu Besuch ist. Außerdem hat sie auch schon zu viel getrunken. Und One-Night-Stands sind eh nicht ihrs, eine Perspektive für mehr muss schon da sein. Seine Küsse, seine weichen vollen Lippen, waren eine interessante Erfahrung. Deutsche Männer haben deutlich festere Lippen.

Auch diese Erfahrung bestätigt nicht, was Mona gesagt hat „Karneval gibt’s reichlich Bütze (aufgeschmatzte Küsse), schon Knutschen ist eher nicht üblich und mehr schon gar nicht.“

Die Party wird noch richtig ausgelassen, das liegt sicher auch bei den beiden an den weiteren Proseccos und bei den anderen an Altbier und Longdrinks. Tanja flirtet noch mit einer süßen Frau, mit der sie dann auch über die Tanzfläche schwoft.

Dann doch mal ein Blick auf die Uhr, es ist schon nach Mitternacht. Mona und sie wollten eigentlich gar nicht so lange bleiben, Mona muss ja schließlich am nächsten Tag arbeiten und Tanja muss auch gegen acht Uhr los, zum Flughafen. Also nun ein etwas überstürzter Aufbruch.

Auf dem Weg nach draußen läuft Tanja noch einem Typen in die Arme, den sie auf der Party noch nicht gesehen haben. Er grinst sie an, gibt ihr einen Kuss auf die Wange. „Du, ich muss gehen, aber ruf mich doch mal an.“ sagt Tanja zu ihm und kramt eine Visitenkarte aus ihrer Handtasche. Visitenkarten hat sie immer für alle Fälle dabei, das geht schneller als mit dem Handy rumzufummeln und ist auch nicht von einer passenden Lautstärke abhängig. Sie gibt ihm ein Bussi zurück und dann sind sie auch schon draußen.

Mona kichert den ganzen Heimweg „Du bist echt unglaublich! Wenn die Berliner losgelassen werden, was?!“ Tanja antwortet „Ja, Karneval hat schon was. Und ich denke, die Rheinländer sind sowieso nicht so cool und zurückhaltend wie die Berliner.“

 

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