Online-Dating – Jonas – das war’s!

(Fortsetzung zum Eintrag vom 01.03.2016)

Donnerstag spätabends, kurz vor Mitternacht, schrieb ihr Jonas über whatsapp „Hallo Chrissi, was hältst du von morgen Abend. Wenn’s dir passt, komme ich um 19 Uhr vorbei. Drück dich, Jonas.“ Ach, bekam sie doch noch einen lieben Gruß, da hatte sie nicht so ganz mehr mit gerechnet und dann noch kurz vor Mitternacht … naja. Sein Terminvorschlag bestätigte allerdings mal wieder, dass Jonas ihr nicht richtig zuhört oder sich mangels Interesse oder warum auch immer nichts merken konnte. 19 Uhr war zu früh, da wäre sie üblicherweise noch beim BodyCombat.

Christine hatte die Nachricht erst am Freitagmorgen gelesen, überlegte kurz, ob sie BodyCombat ausfallen lassen sollte, entschied sich dann dafür. Sie wollte die Sache schnellstens hinter sich bringen und antwortete „Okay, mach das.“ Ein paar Stunden später schrieb sie dann noch „Kannste mir auch bitte meine Sachen mitbringen: DVDs, Yogamatte, Hausschuhe, Handyladekabel, Reiseführer, Waschtasche und was ich sonst noch ggf. bei dir habe. Bis heut Abend dann … Bussi. Chrissi.“

Die Nachricht gab ihm wohl zu denken, eine Weile später antworte Jonas ihr „… na das ist ja mal ne klare Ansage.“

Au weh, das musste sie etwas abschwächen. Sie wollte auf jeden Fall, dass er vorbei kommt. Sie schrieb also „Du hast geschrieben, dass Zweisamkeit dir nicht liegt! Bevor es hier evtl. weitere schriftliche Missverständnisse gibt, sollten wir reden. Also heut Abend dann.“

Darauf erhielt sie keine Antwort, sah sich aber, dass er die Message wohl gelesen hatte.

Wenn sie nicht noch so viel von ihrem Zeugs bei Jonas gehabt hätte, hätte sie bei seinem Verhalten hinsichtlich Nicht-Melden und Ruhe-Habenwollen die Sache einfach im Sande verlaufen lassen. Ihre Freundin Isabelle meinte, ich solle einfach auf ihr Zeugs scheißen und es neu anschaffen. Das wäre sicher eine Alternative, aber mal eben so knapp 400 € ausgeben?! Außerdem ist die Waschtasche ein Unikat von bagbagbag.com, die ist nicht wieder zu beschaffen.

Freitagabend machte Christine sich ausgehfein, ne skinny Jeans, ein figurbetonendes Volcom-Oberteil, darunter nen Push-up-BH, etwas Make-up … Es wurde sieben und kein Jonas klingelte. Hm. Doch dann kam eine whatsapp „es wird 10 Min. später“. Christine war erleichtert, er würde kommen! Irgendwie hatte sie Schiss, dass er kneifen könnte. Dann zog sie noch ihre heißesten High Heels an.

Jonas kam mit einem großen Beutel, aus der ihre Yoga-Matte raus schaute, bei ihr an. Yep, das hatte wohl funktioniert! Er lächelte, nahm sie in den Arm, wollte sie zur Begrüßung küssen. Christine drehte den Kopf zur Seite, so dass es nur ein Bussi auf die Wange wurde. Was stellte er sich vor, dass sie nach diesen fast zwei Wochen einfach so zur Tagesordnung übergehen?!

Christine bot Jonas Wein, Tee oder Wasser an. Er wollte einen Rotwein. Okay, der war ihr auch recht, würde sie selbst auch etwas entspannen. Sie ließen sich mit ihren Weingläsern auf ihrem Sofa nieder. Christine fragte Jonas erst einmal, wie es ihm ginge. „Gut“ sagte er und machte keine Anstalten für weitere Ausführungen. Sie fragte er nicht … wie schon üblich. Sie erzählte diesmal auch nichts von sich aus.

Dann kam sie gleich zum Thema, fragte, wie er das meinen würde, mit der Zweisamkeit, für die er nicht geschaffen sei. Ja, er wüsste auch nicht, es sei wohl immer der Fall, dass er sich zurückziehen würde, wenn es zu eng würde. Ähm, Christine denkt sich, sie ist nun wirklich keine Frau, die klammert. Ihr sind auch ihre Freiräume total wichtig. Das Problem war ihrer Ansicht nach eher nicht zu viel Nähe, sondern dass es langweilig war, wenn sie nichts Bestimmtes vor hatten. Jedenfalls war Christine dann langweilig. Sie hätte natürlich auch Stunden mit ihm im Bett verbringen können, aber dazu war Jonas ja nicht in der Lage.

Vielleicht läge es eher daran, dass der Sex nicht funktioniert, dass er sich daher zurückziehen würde, sagte Christine zu ihm. Jonas meinte, sie hätten da einfach unterschiedliche Ansprüche. Christine musste grinsen „Ja, ich mag es gern leidenschaftlich!“ Das war nun eine gute Möglichkeit, auf die Fetisch-Geschichte zu kommen.

Jonas fragte „Wie kommste denn jetzt darauf?“ Er hatte es wohl wirklich noch nicht gemerkt, was er da getan hatte, als er auf der Fetisch-Website war. Vielleicht wollte er die Seite als Lesezeichen markieren, wer weiß?! Also erklärte sie ihm nun doch mal, dass er eine Fetisch-Page auf facebook geliked hat.

Er lachte, anscheinend verlegen, sagte dann auf seine übliche generöse Art „Echt! Das war sicher ein Versehen, ich gehe doch nicht auf solche Pages. Und außerdem, wenn schon. Ich kann liken was ich will, muss doch niemand ernst nehmen.“ Im Laufe des weiteren Gespräches, verstrickte er sich aber gut in Widersprüche, denn er wusste recht genau worum es auf der Page geht.

So richtig funktionierte das Gespräch über die sexuellen Probleme aber nicht. Eigentlich war es kein wirklicher Dialog. Christine sprach dann auch noch an, dass es vielleicht eine hormonelle Umstellung sein könnte, wenn es schon nicht daran läge, dass ihm vielleicht Gummi, Lack und Leder fehlen würde. Aber natürlich erhielt sie darauf keine Antwort. Jonas wirkte noch nicht einmal nachdenklich. Er war verschlossen wie immer. Er kann über so etwas einfach nicht reden.

„Na, du kannst ja mal etwas darüber lesen. Über die hormonellen Umstellungen, wenn ein Mann älter wird. Dass das nicht nur zu Erektionsproblemen führen kann, sondern auch dazu, dass du dich mit deinem bisherigen Leben und mit dem, was du da so tust, nicht mehr wohlfühlst. Ich habe mir extra Der Feuerzeichen-Mann gekauft, damit ich dich besser verstehen kann und damit wir vielleicht eine Lösung für das Problem finden können.“ sagte sie zu ihm.

Er lachte und antwortete „Ich denke nicht, dass ich da rein schauen werde. Das ist sicher nicht notwendig.“ Ja genau, es gibt ja auch kein Problem! Hmph!

Das machte alles keinen Sinn, also wechselte Christine nach einer guten Stunde das Thema. Fragte, was er so am die letzte Zeit gemacht hätte. Nichts, außer dem üblichen Sport, meinte er. Sie schaute ihn an „Kann ja nicht sein, du warst ständig auf Finya.“

„Wie kommste denn da drauf?“ fragte er. Christine musste lachen, einfach zugeben ging für ihn wohl gar nicht.

„Ich hab zwei Freundinnen, die sind auf Finya und die konnten das gut beobachten. Warum machst du das?“

„Ach, das hat doch nichts zu bedeuten, das ist einfach eine alte Routine. Das macht man halt so, wenn man sich abends an den Rechner setzt.“

Ach nee. Christine hatte keine Lust mehr, darüber auch noch zu diskutieren, dass man diese „Routine“ eigentlich aufgeben sollte, wenn man eine Beziehung hat.

Sie hatte bald überhaupt keine Lust mehr auf dieses Gespräch mit ihm. Also sagte sie ihm nach knapp zwei Stunden, dass ich ihn jetzt verabschieden müsse, sie sei noch verabredet.

Damit hatte er nicht gerechnet, das sah sie ihm an. Jonas stand aber sofort auf, um zu gehen. Sie brachte ihm seine Jacke und holte noch seinen Philadelphia-Käse aus dem Kühlschrank. Sein Nutella hatte sie schon mit dem Feuerzeichen-Mann in eine Tüte gepackt. Sie packte eben noch ihre Sachen aus seinem Beutel und packte seine Sachen hinein. Zwischenzeitlich hatte er doch noch einen Blick auf das Buch geworfen, aber es schnell wieder zurück zum Nutella gelegt. Einen Kommentar zum Buch hat er nicht abgegeben, aber immerhin hat er es mitgenommen.

Jonas verabschiedete sich schnell, diesmal nur mit nem Bussi. Sie sagte noch „Vielleicht können wir ja mal wieder was zusammen kochen, da sind wir doch ein gutes Team.“ Er guckte sie nur kurz ein, sagte „Vielleicht“, dann war er auch schon weg.

Das war’s dann also. Traurig ist Christine nicht, sie fühlt sich eher befreit!

 

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