Das neue Auto

Frank hatte sich letzte Woche ein neues Cabrio gekauft. Ela war schon ganz gespannt auf den neuen Wagen.
Frank wollte Ela am Freitagabend am Bahnhof abholen, wenn sie von ihrem Seminar zurückkam. Auf ihrer Fahrt schrieb Ela noch eine whatsapp und fragte dabei auch nach dem Kennzeichen. Als sie die Antwort las, wurde ihr schlecht. Was war das, Gedankenlosigkeit? Eine böse Absicht unterstellte sie ihm nicht, aber verletzt tat sie das erheblich. Es waren wieder die Initialen seiner Ex im Kennzeichen enthalten! Und danach ein fettes Smiley!
Schon als er seinen Bully zugelassen hatte, hatte sie das ganz schön fertiggemacht. Auch da hatte Frank sich keine Gedanken darüber gemacht, er hatte einfach ein Kennzeichen genommen, wie er es schon seit Jahren nimmt. Ela hatte ihm damals gezeigt, wie sehr sie das verletzt hatte. Damals hatte er gesagt, er hätte sich nicht vorstellen können, dass sie das stören würde. Hätte er das gewusst, hätte er ein anderes Kennzeichen genommen.
Und nun schon wieder ein Kennzeichen mit den Initialen seiner Ex! Ela musste sich erstmal etwas beruhigen, dann schrieb sie zurück. „Was ist das? Gedankenlosigkeit?“ Seine Antwort enthielt nur „???“.
Als Ela am Bahnhof bei seinem neuen Cabrio ankam, war Frank nicht da. Beim Anblick des Kennzeichens wurde ihr wieder schlecht.
Kurz darauf kam Frank. Als er Ela sah, nahm er sie nicht in den Arm, schaute sie nur an und fragte „Wie siehst du denn aus, was ist passiert?“ Ela muss verdammt blass gewesen sein, eigentlich doch eher ein Grund, sie in den Arm zu nehmen.
Sie zitterte ein wenig, als sie sagte „Warum hast du wieder ein Kennzeichen mit den Initialen deiner Ex genommen.“
Er lachte „Darüber regst du dich auf, das hat doch nichts zu bedeuten.“
„Es hat dir aber mal etwas bedeutet, dass du diese Initialen gewählt hast, sonst hättest du das nicht getan.“
Frank reagierte aufbrausend „Mein Bully hat doch auch so ein Kennzeichen. Das fängt ja gut an, endlich sehen wir uns wieder und du machst mir eine Szene. Wenn du ein anderes Kennzeichen willst, dann hättest du das vorher sagen müssen und nicht jetzt erst, wenn der Wagen angemeldet ist.“
Ela war erstmal sprachlos, was für eine Argumentation! Wie sollte sie denn damit rechnen, dass er sich wieder ein Kennzeichen mit den Initialen seiner Ex auswählt?
Frank packte ihr Gepäck in den Wagen und zündete sich erstmal eine Zigarette an. Als sie wieder reden konnte, sagte Ela. „Das andere Auto ist nun gar kein Grund, das neue auch so anzumelden, den Bully willst du ja eh verkaufen.“
Darauf Frank „Ich verstehe überhaupt nicht, was es da für einen Grund gibt, sich aufzuregen. Wie schon gesagt, wenn du das nicht gewollt hättest, hättest du es vorher sagen können und nicht jetzt mich dafür verantwortlich machen, dass ich das falsch gemacht habe.“
Ela zitterte noch immer, ihr war hundeelend „Wie soll ich denn darauf kommen, dass du das Cabrio mit so einem Kennzeichen anmeldest. Mit deinen Initialen oder vielleicht noch mit MX, das hätte ich sofort verstanden, aber mit denen deiner Ex, das verletzt mich!“
Frank schaute sie noch einmal an, schüttelte den Kopf und verschwand Richtung Bahnhofsgebäude.
Ela musste mich erstmal setzen, zum Glück hatte er das Auto aufgelassen. Nach einer Weile hatte sie sich etwas beruhigt, übel war ihr noch immer etwas. Sie trank erstmal etwas Wasser, konnte noch keinen klaren Gedanken fassen, war einfach nur müde.
Ein junger Mann kam am Wagen vorbei, fragte ob es ihr nicht gut ginge, ob er helfen könne, als er sie da in der offenen Tür sitzen sah. Sie musste wirklich einen fertigen Eindruck gemacht haben. Sie dankte für das Angebot, sagte, sie wäre okay.
Nach einer Weile ging es ihr besser. Was sollte sie tun, mal bei Tanja anfragen, ob sie dort übernachten könne? Nein, das war keine Lösung, vor Konflikten läuft sie nicht davon.
Es war mal wieder typisch für Frank. Er hat ihr wehgetan und regt sich dann darüber auf, dass sie verletzt ist. Er versucht sie dafür verantwortlich zu machen, dass sie sich nicht wohl fühlt. Und dann zieht er sich zurück, redet nicht mit ihr.
Vor fast anderthalb Stunden war sie am Bahnhof angekommen und immer noch war Frank nicht zurückgekommen.
Also versuchte sie es mal mit whatsapp
„Ich liebe dich und gerade weil es so ist, tut sowas so richtig weh.“
„Und ich komm gar nicht damit klar, wenn du nicht mit mir redest.“
und etwas später
„Wünsche mir immer noch, dass wir das hinkriegen. Sonst wär ich zu Tanja gefahren. Aber ich bin immer noch hier.“
Nach einer weiteren halben Stunde hatte Frank die Nachrichten immer noch nicht gelesen, also musste sie wohl einen Anruf versuchen. Keine Antwort.
Sie hatte sich inzwischen ins Auto gesetzt, zum Glück war das Verdeck geschlossen, ihr war kalt geworden.
Plötzlich riss Frank die Tür auf, sein Tonfall hart, laut, gar nicht freundlich, als er fragte „Hast du es dir überlegt, willst du zu Tanja oder kommst du mit nachhause?“
Ela antwortete leise „Ich komme mit. Nicht miteinander reden ist keine Lösung.“

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