Auszeit

Freitag war ich bei meiner Freundin Maja in ihrem Freund zum Essen eingeladen. Es war voll süß von ihr, sie meinte, ich solle mal einfach einen entspannten Abend haben, ich hätte eh immer so viel zu tun. Also kein gemeinsames Kochen.
Um halb acht radelte ich direkt vom Büro zu den beiden, wurde gleich am Küchentisch platziert und bekam ein Glas Mumm. Dann durfte ich Maja bei der Arbeit zusehen, gemeinsam mit ihrem Freund Henrick. Sie hatte schon Quinoa vorbereitet, den grüßen Spargel gewaschen und des frische Heilbutt-Filet gesäuert. Henrick beobachtete wie Maja die Enden des Spargels abschnitt und kommentierte „Oh, nicht so viel.“ Ansonsten hielt er sich aus dem Essenkochen raus.
Es war ein leckeres Essen und ein schöner Abend. Wir hatten ja auch Majas neuen bzw. ersten richtigen Job nach vier Jahren nicht so erfolgreicher freiberuflicher Tätigkeit als Anwältin zu feiern.
Henrick und ich hatten uns erst zweimal gesehen. Maja und Henrick sind jetzt ein anderthalb Jahre zusammen und leben seit einem Jahr zusammen. Maja hatte endlich jemanden gefunden, mit dem sie so richtig glücklich war. Denselben Eindruck hatte ich auch von Henrick. Ich fühlte mich wohl bei den beiden.
Wir hatten schnell ein Thema gefunden, was uns alle drei beschäftigt. Wir lieben blauen klaren Himmel und Wärme. Wir erzählten von unseren Träumen, dass wir gern irgendwo leben würden, wo es wärmer ist und der Himmel blau strahlt, zumindest einen Teil des Jahres. Wir diskutierten diverse Möglichkeiten, verwarfen sie aber wieder, weil momentan nicht umsetzbar.
Nach einer Flasche Mumm und bei der zweiten Flasche Weißwein kam das Thema auf Ernährung. Eigentlich war es ja etwas frech von Maja, dass sie Henrick in seiner Gegenwart mir gegenüber als moppelig bezeichnete. Henrick war nicht sauer darüber, er bestätigte das sogar, auch wenn er es etwas einschränkte. Im Gegensatz zu meinem Mann sieht er auch das Problem. Wir diskutierten Möglichkeiten der Ernährungsumstellung. Mit den Themen low carb, Kokosöl und ähnlichem hatten wir viel Gesprächsstoff.
Dann ging es um Urlaub. Henrick hatte über Maja und auch facebook mitbekommen, wie häufig ich Urlaub machte. Ich erklärte, wie wichtig mir das sei, wenn ich schon nicht leben könne, wo es so richtig schön ist, dann müsse ich halt häufiger mal weg. Dafür würde ich auch jedes Jahr etwa zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, zum Glück war das in meinem aktuellen Job seit ein paar Jahren möglich.
Henrick war nur erstaunt, dass ich häufiger auch ohne Peter wegfahren würde. Peter hätte auch die Möglichkeit zu mehr Urlaub, aber er würde seine Prioritäten anders setzen, erklärte ich. Anfangs war Peter sogar etwas sauer, dass ich dann ohne ihn gefahren bin, doch inzwischen hat er sich wohl daran gewöhnt. Inzwischen macht er auch mehr Urlaub als er früher jemals gemacht hat.
Henrick und Maja hatten letztens ein Airberlin-Angebot genutzt und schnell mal Kalifornien-Flüge für November, nach Majas Probezeit, gebucht. Maja freute sich schon auf ihren ersten Urlaub seit Jahren. Der letzte war mit mir in Italien gewesen, im Ferienhaus meines Kollegen, das wir günstig bekommen hatten. Damals konnten wir mit meinem Firmenwagen hinfahren. Den Firmenwagen hatte ich wieder abgegeben, ich brauchte ihn nicht, nahm lieber den Gehaltsausgleich und fuhr Bahn u. ä. Maja und ich erzählten begeistert von diesem Urlaub und Henrick schlug vor, dass wir ja auch mal zu viert dort hinfahren könnten. Das war eine Überlegung wert, aber dieses Jahr nicht mehr realisierbar.
Irgendwann gingen Maja und ich eine rauchen. „Ach Lilli,“ sagte sie „wenn ich jetzt endlich wieder Geld verdiene, dann lass uns mal eine Woche oder zumindest ein verlängertes Wochenende Mädelsurlaub machen.“
Ich nahm sie in den Arm „Aber klar, Süße! Da hab ich schon lange Lust drauf, Italien ist schon soo lange her. Mit deinem Firmenwagen dann, können wir doch bestimmt schon im Sommer ein verlängertes Wochenende nach Meckpomm fahren. Du kannst sicher anteilsmäßig auch schon in der Probezeit ein paar Tage Urlaub nehmen.“
„Henrick ist echt lieb, ein toller Partner. Doch immer nur auf Pärchen machen ist nicht so easy, wenn man so lange mehr oder weniger Single war.“
Ich musste lachen „Na, bei mir ist das ja nicht anders, das weißt du ja. Ab und zu braucht frau auch mal ihre Auszeit und auch die Mädels-Geschichten. Der Urlaub mit Peter gerade auf den Kanaren war prima, aber ich freu mich jetzt auch auf meine Reha. Mal drei Wochen oder so alleine. Abgesehen davon, dass er mich sicherlich mal besuchen kommen wird.“
Maja grinste „Ja, das kann ich mir vorstellen, dass du dich drauf freust. Auch wenn du ja schon immer unter der Woche ohne Peter lebst. Keine Hin- und Herfahrerei am Wochenende, keine Orga des gemeinsamen Wochenendes, du bleibst einfach wo du bist.“
„Genau, Süße. Die Wochenendplanung ist doch immer mein Ding. Essen, Unternehmungen, Freunde treffen, Peter organisiert da kaum was. Der ist immer so fertig von seinem ganzen Stress in der Woche.“
Wir hatten schon lange aufgeraucht und gingen wieder zu Henrick, der inzwischen die dritte Flasche Wein geöffnet hatte. Ich hoffte, nicht so viel von dem Wein abbekommen zu haben und mit meinem Fahrrad noch sicher heim zu kommen. Dem war aber wohl auch so, ich fühlte mich noch nicht angeschickert.
Wir quatschten noch ein wenig über Urlaub in Kalifornien und Italien, dann radelte ich heim. Es war immerhin schon nach ein Uhr.

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