Reha – 3. Kapitel – Die ersten Kontakte

(Fortsetzung vom 14. Mai 2016)

Am zweiten Tag in der Reha-Klinik hat Lillian schon mehr Augen für die anderen Patienten, nicht nur für den Weg irgendwohin. Außerdem geht ihr der Typ mit den blauen Augen nicht aus dem Kopf und so hält sie Ausschau nach ihm.

Beim Frühstück hat sie dann endlich Gesellschaft. Hanne ist aber so gar nicht ihr Fall „Na, ein paar Jahre muss ich noch, dann geht’s endlich in Rente.“. Das ist eine Lebenseinstellung, die Lillian unmöglich findet. Hanne ist Altenpflegerin, seit Jahrzehnten verheiratet, übergewichtig und keine Frau, die etwas aus ihrem Aussehen macht.

Es ist schwierig, mit Hanne ein Thema zu finden, bei dem sie Lillian nicht nur einsilbig antwortet. Erst bei dem Thema, was ihre Männer während ihrer Abwesenheit so essen, können sie ein wenig miteinander lachen. Lillian ist froh, dass Hanne in zwei Tagen abreist, die Gesellschaft kann eigentlich nur besser werden.

Leider wird sie das nicht wirklich. Lillian hatte nach dem Frühstück bei der Dame, die für die Speisesaal-Belegung zuständig war, nachgefragt, ob sie nicht ihren Tisch voll besetzen könne, damit mehr Chancen auf Gesellschaft beim Essen bestünden. Beim Mittagessen hat sie dann neue Gesellschaft, zwei Männer, die gerade erst angereist sind. Andreas, vielleicht Anfang vierzig, frisch aus der Klinik, von seinem Schlaganfall mental noch etwas beeinträchtigt und somit extrem zurückhaltend, und Robert. Robert ist wohl Mitte sechzig, kommt anscheinend aus einem besseren Angestellten-Job und ist kommunikativ. Mit ihm kann sich Lillian recht gut unterhalten, aber so richtig persönlich wird das auch nicht werden. Schade.

Damit sie nicht ganz so allein ist, geht Lillian dann doch häufiger mal eine rauchen. Im Raucher-Bereich kommt man doch recht easy ins Gespräch. Eigentlich sind die Leute da auch nicht so ihr Ding, bis Oswald auftaucht. Er fällt raus aus der Masse, taucht nicht ständig mit ausgebeulter Jogginghose und Badeschlappen auf, wie so manche anderen. Obwohl sicherlich auch schon Ende vierzig, wirkt er jünger, nicht so hausbacken, man merkt, dass er auf sich achtet.

Als Lillian später nach dem Abendessen wieder im Raucher-Bereich auftaucht, ist nur Oswald dort. Eine gute Chance, sich einander vorzustellen und auch mal ein paar persönliche Worte zu wechseln. Auch als Lillian aufgeraucht hat unterhalten sie sich weiter. Oswald scheint genauso interessiert zu sein an diesem neuen Kontakt, wie sie.

Nach ner Weile zieht sich Lillian dann aber auf ihr Zimmer zurück. Den Typen mit den blauen Augen hat sie den ganzen Tag nicht gesehen.

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