Reha – 6. Kapitel – Schokolade

(Fortsetzung vom 25. Mai 2016)

Die Reha-Klinik bietet nicht nur orthopädische Behandlungen an, sondern u. a. auch psychologische Einzelberatung. Bei der Aufnahme hatte Lillian auch angegeben, dass sie gerne so eine Beratung haben würde, da sie ein Schokoladen-Junkie ist.

Auch wenn Schokolade nicht als gesundheitsschädigend eingeschätzt wird, hatte man ihre Anfrage nach einer Beratung ernst genommen und Lillian einen Termin dafür gegeben.

Gespannt war Lillian zu dem Termin gegangen. Sie hoffte auf eine bessere Therapeutin als die, die die Nichtraucher-Gruppentherapie leitete, die fand Lillian einfach nur fürchterlich. Sie hatte sich für die freiwillige Nichtraucher-Gruppe angemeldet, da sie sich erhoffte Strategien für Peter zu finden. Peter raucht deutlich zu viel, sein morgendlicher Husten spricht schon für eine fortgeschrittene Schädigung. Nach zwei Terminen hatte sie sich aber wieder abgemeldet, da ihr die angebotenen Rollenspiele etc. nicht weiterhelfen würden und ihr die Therapeutin überhaupt nicht lag.

Frau Haller war Lillian sofort sympathisch, eine schlanke gutaussehende Frau von vielleicht 40 Jahren, in einem Outfit, was Lillian auch tragen würde. Sie redeten zuerst über die orthopädischen Gründe für Lillians Reha und dann fragte sie, was Lillian Anliegen hinsichtlich der psychologischen Beratung sei.

Bei „Schokolade“ stutzte Frau Haller kurz, doch als Lillian ausführte, dass sie ohne Schokolade unruhig sein würde, aber sich immer Sorgen machen würde, zuviel Schokolade zu essen, hörte sie aufmerksam zu. Lillian führte aus, dass niemand sie verstehen würde, alle würden sagen „Du kannst es doch vertragen, was regst du dich auf.“

Frau Haller sagte, das sei auch ihr erster Gedanke gewesen, man würde Lillian nicht ansehen, dass sie häufig Schokolade essen würde. Sie fragte „Wie viel?“

„Mindestens eine halbe Tafel pro Tag, manchmal eine ganze. Und nicht jede Schokolade, es muss schon echt leckere dunkle sein. Und das ist einfach zu ungesund!“

Sie redeten erst einmal über die verschiedenen Schokoladensorten, die Lillian so gerne isst. Auch darüber, dass sie schon im Teenie-Alter ein Schokoladen-Gourmet war. Selbst damals hat sie ihr karges Taschengeld hauptsächlich in sehr teure Ritter Sport Schokolade umgesetzt. Leider ist Schokolade heutzutage im Verhältnis viel viel billiger, somit muss sich Lillian aus Kostengründen nicht einschränken.

Lillian ernährt sich low carb, möglichst bio und frisch. Soweit es geht verzichtet sie auf Fertigprodukte, künstliche Aromen, Konservierungsstoffe etc. Auch bei Schokolade achtet sie auf Qualität, hat inzwischen Vivani-Schokolade entdeckt.

Frau Haller meinte, dass Lillian sich bei ihrer doch sehr gesunden Ernährung doch wirklich mal Schokolade gönnen könne. Ihr erster Eindruck sei, dass Schokolade für Lillian eine Art Belohnung darstellen würde, somit solle sie die dann doch bitte auch genießen und kein schlechtes Gewissen haben.

Die Psychologin fragte nach Lillians Lebenssituation, Job, Partnerschaft, Freizeitaktivitäten, Freunden und Interessen. Lillian führt schon fast ein Leben nach dem Terminkalender, was damit zusammenhängt, dass sie ihre ganzen Aktivitäten sonst nicht in ihrem Tagesablauf unterbringen kann. Frau Haller erläuterte ihren Eindruck, dass Lillian neben ihrer Fröhlichkeit auch Angespanntheit ausstrahlen würde. Lillian sei eine Frau, die sehr organisiert ist. Und dass die Schokolade nun sie reglementiert, statt dass sie ihren Schokoladenkonsum kontrollieren kann, das würde sie jetzt ungemein nerven. Das konnte Lillian ihr nur bestätigen.

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