Reha – 9. Kapitel – Einfach mal entspannen

(Fortsetzung vom 1. Juni 2016)

Lillian hatte sich viel vorgenommen für ihre Zeit in der Reha-Klinik. Sie wollte viel für ihren Blog schreiben, möglichst wenig fürs Büro tun, lesen und mehr schlafen also sonst.

Das Reha-Programm ist umfangreich, startet morgens um 7:30 Uhr mit einer Stunde Frühsport incl. Nordic Walking. Zum Glück ist danach noch eine halbe Stunde Zeit fürs Frühstück. Noch früher aufstehen, um Frühstück zu bekommen, mag sie gar nicht. 6:45 Uhr findet sie schon extrem früh. Vor Mitternacht kommt sie kaum ins Bett, wird aber trotzdem noch vor dem Weckerklingeln wach, meist gegen sechs. Somit klappt das nicht, mehr zu schlafen.

So hat Lillian dann noch Zeit für ein kleines Bauch-Workout, bevor sie zum Frühsport muss. Anschließend ist ihr Tag ziemlich eng durchgetaktet mit Physiotherapie, Schultergruppe, Wassergymastik etc. Ab und zu gibt es dann auch noch Arzttermine und Vorträge zu Gesundheitsthemen. Und wenn es passt, geht sie zwischendurch noch eine Stunde Nordic Walken oder für spezielle Schulterübungen ins Fitnessstudio.

Nordic Walking tut ihren Beinen richtig gut. Lillian ist begeistert, sie hat schon 1 cm an Oberschenkelumfang abgenommen. Ihr Gewicht scheint allerdings stabil zu bleiben. Sie hat den Eindruck, dass sie hier mehr isst, als daheim. Das liegt nicht daran, dass es besonders lecker ist, sondern an den frühen Essenszeiten und der Gesellschaft beim Essen. Vom Essen ist sie nicht gerade begeistert. Lillian, die sich sonst bio ernährt, macht sich ziemlich Sorgen wegen der ganzen Zusatzstoffe, die sicherlich in den Gerichten und Salaten enthalten sind. Ihrer Haut ist das auch schon anzusehen.

Abends geht sie oft noch ne gute Stunde mit Oswald spazieren, manchmal auch einen Wein trinken. Kommunikation kommt also keineswegs zu kurz. Es ist eher so, dass ihr das inzwischen ein wenig zu viel wird. Wenn Lillian sich dann abends auf ihr Zimmer zurückzieht, checkt sie meist nur noch facebook und E-Mails, telefoniert mit Peter und ist oft zu müde zum Schreiben. Lesen geht dann aber immer noch ein wenig.

Lillian hat sich zwei Bücher mitgenommen, von deutschen Autorinnen. Da sie wissen will, wie andere schreiben und damit gut ankommen, liest sie inzwischen bevorzugt Bücher von Autorinnen, die Romane für und über Frauen in etwa ihrem Alter schreiben. Seltsamerweise sind die Protagonistinnen in beiden Büchern ihr ähnlich. Auf dem Klappentext war das nicht zu erkennen gewesen.

Astrid Ruppelts „Ziemlich beste Freundinnen“ hat sie inzwischen durch und mit „Wind aus West mit starken Böen“ von Dora Heldt ist sie auch schon relativ weit. In beiden Büchern geht es um eine Frau, die ihr Leben straff durchorganisiert hat und an ihrer Überorganisiertheit und auch dem Zuviel-Tun etwas ändern muss. Beiden Frauen ist der Spaß am Leben etwas abhandengekommen, auch wenn sie das selbst gar nicht merken und eher denken, dass sie ein glückliches Leben führen.

Auch Lillian hat den Eindruck, dass sie glücklich ist, dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist. Oder trifft es es vielleicht besser zu sagen, dass sie ihr Leben im Griff hat? Ihre Psychologin hier in der Klinik sagte ihr bereits beim zweiten Termin, dass sie sehr angespannt wirken würde. Sie habe den Eindruck, dass Lillian immer 100 % geben würde, auch wenn es oft sicher gar nicht nötig sei.

Soll es Lillian zu denken geben, dass sie sich ausgerechnet diese beiden Bücher als Lektüre für die Reha ausgesucht hat? In den beiden Protagonistinnen erkennt sie sich sehr gut wieder. Ihre Psychologin rät ihr, einfach mal nichts zu tun, die Dinge laufen zu lassen und sich zu entspannen. Auch wenn etwas nicht perfekt ist, kann es immer noch richtig gut sein.

 

 

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