Samstagabend in Las Palmas

Samstagabend 20:45 Uhr, eine Hardrockband vor der NYC TAXI ROCKBAR. Es ist ein milder Abend, das Publikum ist groß. Lillian steht zwar nicht so ganz auf die Musik, aber sie will ja wissen, was so los ist in diesem Viertel von Las Palmas. Um 21 Uhr war Schluss. Lillian hatte erst gedacht, die Band würde eine Pause machen, denn sie hatte natürlich nicht verstanden, dass sie sich endgültig verabschiedet hatten. Aus Carlas Wohnung hatte sie den Beginn des Konzerts gegen 20 Uhr mitbekommen und nicht damit gerechnet, dass es so früh vorbei sein könnte. Auch die Konzertbesucher verschwanden schnell.

Carla hatte Lillian den Tipp gegeben, dass es im Viertel in einigen Bars Live-Musik geben würde. Sie bummelte also weiter, vor dem CAFÉ TIRAMISU wurde gerade aufgebaut, es fanden sich immer mehr Leute ein. Wahrscheinlich waren es dieselben, die auch vor der NYC BAR gestanden hatten. Es schien die lokale Szene zu sein, einigen konnten sie ansehen, dass sie Surfer waren. Altersmäßig war alles so ab Mitte Zwanzig bis bestimmt Ende Fünfzig vertreten, dass passte. Die Band fing an zu spielen, Soul oder sowas, gar nicht schlecht. Auf ein Tropical im Stehen hatte Lillian aber überhaupt keine Lust. Wenn sie mit Peter dort gewesen wäre, wär das sicher anders, aber allein … Sie kann ja auch (noch) kein Spanisch, das macht die Sache auch nicht einfacher.

Im Viertel rund um die Surf-Läden ist ansonsten nichts los, also bummelt Lillian über die Beach-Promenade rüber nach Santa Catalina. Es sind echt viele Menschen unterwegs, die meisten scheinen einfach nur einen Spaziergang am Meer zu machen. Irgendwann biegt sie von der Promenade ab und landet zufälligerweise gleich an der Plazoleta de Farray. Dort wollte sie sich aber nicht schon wieder niederlassen, also lief sie weiter. In der Umgebung entdeckte sie viele Bar/Cafés und auch einige schöne Restaurants.

Obwohl es inzwischen bereits nach 22 Uhr war, schien man in die Restaurants nur mit Reservierung zu kommen. Lillian hatte Lust auf einen Vino Tinto, doch es war in oder auch vor einer der Bars keinen Platz zu finden. So bummelte sie zurück zur Plazoleta. Vor dem EL ALTILLO war gerade ein Tisch frei geworden. So sollte es wohl wieder diese Bar sein.

Nun sitzt Lillian also vor der Bar, genießt die milde Nacht (18 Grad), die zwar eine Jacker erforfert aber sonst sehr angenehm ist. Während sie an ihrem Vino tinto nippt, stellt sie fest, dass sie doch etwas hungrig ist. Sie hatte ja auch noch kein Abendessen gehabt. Das hatte sie nicht für notwendig gehalten, da sie sich erst um 15 Uhr einen Wrap gemacht und ansonsten wieder reichlich den spanischen gesalzenen Rauchmandeln zugeschlagen hatte.  Es gibt nur ein paar Tapas und Burger in der Karte, der Queso Herrano a la plancha liest sich vielversprechend.

2016-11-26-23

Der Käse kommt, ist lecker und genau richtig mit der hausgemachten Konfitüre. Auch wenn es schon 23:15 Uhr ist, immerhin ist Käse gut eiweißhaltig. Auf Gran Canaria ist das eh egal, Spanier essen immer spät. Zu fast jedem Tisch werden Burger oder Tapas gebracht.

Lillian überlegt, es wird nicht ganz einfach sein, hier Anschluss zu finden, besonders wenn sie die Sprache noch nicht kann. Nicht jeder hier spricht gut Englisch. Aber vielleicht gibt es ja auch hier in Las Palmas Meet-up-Groups oder sogar eine deutsche Community auf XING. Darüber hatte sie damals in Cape Town auch gleich Anschluss gefunden. Für Las Palmas hatte Lillian das noch nicht recherchiert. Es ist auch erstmal nicht so wichtig. Klar braucht sie auch Anschluss und neue Freunde, wenn sie sich hier niederlassen wird. Aber das wird sich finden.

Zuerst geht es darum, herauszufinden, ob ihr die Atmosphäre hier gefällt. Das Meer ist genial, direkt am Meer ist die Luft manchmal Gischt-geschwängert, das tut Lillians Locken gut. Lauenburg, wo Peter lebt, bekommt Lillians Locken gar nicht gut. Sie hatte schon überlegt, ob das daran liegt, wenn sie dort ihre Haare wäscht, aber vielleicht liegt es auch einfach am dortigen Klima. Ihre Locken sind Lillian echt wichtig, Bad Hair Days kann sie gar nicht leiden.

Lillian hat noch vier volle Tage, da muss sie die anderen Teile der Stadt auch noch kennenlernen, feststellen, welche Ecke ihr besonders gut gefällt. Wo Carla wohnt, ist der Strand direkt vor der Tür und nicht so überlaufen, wie weiter östlich vom Playa de las Canteras. Der Plazoleta, auf dem sie sich gerade befindet, ist auch nicht so weit vom Strand, allerdings von dem Teil, wo es touristischer zugeht.

Braucht sie den Blick auf’s Meer und immer das Meeresrauschen? Ist es notwendig, dass sie in ein paar Schritten am Meer ist? Oder reicht einfach die Option, in fünfzehn Minuten an einer schönen Stelle am Meer zu sein. Las Palmas ist prima zum Fahrradfahren geeignet, eine Vespa wäre auch prima.

Wohnen direkt am Meer ist sicher auch extrem teuer. In Berlin ist Lillian wichtig, das sie eben mal einfach aus der Haustür fallen und in ein nettes Café oder schöne Bar gehen kann. Eine helle Wohnung ist auch wichtig. Direkt am Meer werden die Scheiben – selbst im 4. OG wie bei Carla – immer sehr schnell trübe.

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